Bewegung und Fitness
Wandern – zurück zur Natur
Wie und wo wandern?
Wandern kann man in jedem Alter, immer und fast überall. Es erfordert keine besonderen Fähigkeiten, Ausgaben oder Kenntnisse und man kann es nach den eigenen Bedürfnissen gestalten: Von der Alpenüberquerung bis zum gemächlichen Nachmittagsausflug – es ist in jeder Form zu betreiben. Man kann Wattwandern, Nachtwandern, Bergwandern und Radwandern. Man kann allein wandern, mit dem Partner, mit Freunden oder mit organisierten Gruppen. Man kann sich in der Freizeit, im Urlaub und am Wochenende zu einer Wanderung aufmachen. Sie können vor der Haustür loswandern, in die Berge fahren oder einen Wald durchstreifen.
Quo vadis? - Die ganze Gegend voller Landschaft
Wandern ist also ein Megatrend. Warum? In der Skala der Werte der Deutschen nimmt "Natur" eine Spitzenposition ein. Sie ist uns fast so wichtig wie Liebe und Freundschaft. Auch das haben die Soziologen herausgefunden und mit Zahlen belegt. "Natur erleben" ist für 90 Prozent der Bundesbürger das Wichtigste in ihrer Freizeit. Dabei geht es weniger um Details als vielmehr darum, sich in einer naturbelassenen Landschaft zu erholen, indem man sie entspannt durchschreitet. Doch was ist eigentlich eine schöne Landschaft? Forscher sind zu dem nahe liegenden Ergebnis gekommen, dass sich jeder zuallererst in einer Landschaftsform wohl fühlt, die derjenigen ähnelt, in der er aufgewachsen ist. Norddeutsche schätzen flache Weiten und Süddeutsche zieht es in felsige Höhen. Doch es gibt auch Landschaftsformen, die unabhängig von ihrer Herkunft von fast allen Menschen als schön empfunden werden. Eine solche Landschaft ist vor allem natürlich und enthält wenig künstliche Elemente, wie Häuser, Straßen, Zäune und Ähnliches. Gern sehen wir auch auf einen See, in dem sich das mit Bäumen bewachsene Ufer spiegelt. Wiesen, weiche, geschwungene Linien, aber auch Abwechslungsreichtum – so stellen wir uns eine schöne Landschaft vor. In Deutschland haben wir erfreulicherweise genau solche Ideallandschaften in großer Zahl vor unserer Haustür. Wie auch unsere Urväter empfinden wir zu große Wildnis dagegen als bedrohlich. Wir lieben solche Landschaftselemente, in denen sich unsere Vorfahren sicher gefühlt haben: offene parkartige Landschaften, von Wald begrenzte Wiesentäler, Aussichtspunkte und Waldränder. Am liebsten folgen Wanderer dabei naturbelassenen Wanderpfaden.
Wandern erfüllt eine Sehnsucht
Studien zeigen, dass Wandern nicht nur körperlich gesund ist, sondern auch die Seele heilt. Menschen gewinnen an psychischer Stabilität, wenn sie sich regelmäßig in natürlicher Umgebung körperlich betätigen. Das ist verständlich, denn letztlich ist der Mensch ja selbst nichts anderes als ein Stück Natur. Nur haben wir uns inzwischen in eine selbst geschaffene Kunstwelt zurückgezogen. In der Natur sind wir nur noch zu Gast. Dass die Rückkehr in unsere natürliche Umwelt unserer Psyche gut tut, ist nicht nur ein subjektiver Eindruck, sondern wissenschaftlich nachweisbar. Schon vor 20 Jahren haben Psychologen herausgefunden, dass das Anschauen von Naturbildern weniger ermüdend ist als das Anschauen von Stadtbildern. Stadtszenen lösen auch eher negative Gefühle aus, während schöne Landschaftseindrücke die Stimmung heben. Dabei sinken der Puls und der Blutdruck und im Gehirn verstärken sich Hirnwellen – ein Zeichen von mentaler Entspannung. Die heilende Wirkung der Natur lässt sich auch an Orten nachweisen, die man eher mit Erkrankungen in Verbindung bringt – und das obwohl der Kontakt nur indirekt stattfindet. Krankenhauspatienten, die aus ihrem Zimmer ins Grüne blicken, brauchen im Vergleich weniger Schmerzmittel und werden schneller wieder gesund als solche, die keinen Naturblick haben. Beim Wandern profitiert die Seele aber nicht nur vom direkten Kontakt zur Natur, sondern auch von der Bewegung. Beim Wandern produziert der Körper Morphine, die die Schmerzempfindlichkeit senken, das Hungergefühl dämpfen und die Stimmung heben. Zusätzlich verbrennen wir beim langen Gehen fast ausschließlich Fett – und das macht schlank. Mediziner fanden heraus, dass sich ein viele Muskelpartien einbeziehender Ausdauersport besonders dazu eignet, die körperliche Fitness zu erhalten und zu steigern. Dabei ist eine mäßige, aber regelmäßige Beanspruchung des Körpers hohen sportlichen Leistungen vorzuziehen. Entscheidend ist allein, wie viel Energie insgesamt verbraucht wird. So gesehen ist Wandern ein optimaler Gesundheitssport. Das wurde bereits in mehreren Studien unter Beweis gestellt. Herz, Kreislauf, Stoffwechsel, Atmung und Muskeln werden durch ausdauerndes Gehen nachhaltig gestärkt. Auch zu therapeutischen Zwecken wird Wandern zunehmend eingesetzt. In der Kur und als Element der Nachsorge: Wandern kann helfen.
Ein weiterer Wohlfühlfaktor ist das Wandern in Gemeinschaft
Wandern ist eine sehr soziale Aktivität. 90 Prozent aller Wanderer begeben sich in Begleitung auf Tour. Zusammen zu wandern fördert die Freundschaft. Das Nebeneinandergehen ist eine der unkompliziertesten Möglichkeiten, miteinander zu reden. Ohne zwanghafte Rituale kommt man ins Gespräch und kann sich wieder daraus lösen. Zugleich schweißt die gemeinsame Bewältigung der Strecke die Wandersleute fest zusammen. In dieser positiven Grundstimmung, zusammen mit der körperlichen Aktivität, öffnen sich die Sinne nach außen und nach innen.
Tipps für eine gelungene Wandertour
Wenn Sie eine Wanderung planen, sollten Sie daran denken, sich am Anfang nicht zu übernehmen. Ein Anfänger sollte nicht gleich mit einer 20-km-Wanderung beginnen. Trainieren Sie sich erst einmal mit kürzeren Wanderungen über fünf bis zehn Kilometer etwas Kondition an. Wandern ist zeitaufwändiger als andere Sportarten. Mithilfe von Wanderführern lässt sich die ungefähre Dauer einer Tour gut abschätzen. Allerdings können Unwetter oder unerwartete Probleme mit dem Gelände zu Verzögerungen führen. Grundsätzlich benötigt man für fünf Streckenkilometer ohne Steigung etwa eine Stunde. In der gleichen Zeit bewältigt ein guter Wanderer 400 Höhenmeter bergauf und 800 Höhenmeter bergab. Bei Ungeübten und bei Wanderungen in der Gruppe muss man allerdings etwas mehr Zeit für die gleiche Höhenmeterzahl einplanen. Am Anfang Ihres Vorhabens sollten natürlich die Sichtung von Literatur über das ausgewählte Wandergebiet und die in der Nähe des Weges befindlichen botanischen, geologischen oder architektonischen Sehenswürdigkeiten stehen. Dann werden Karten hinzugezogen, um die genaue Wanderstrecke festzulegen. Am besten eignen sich topografische Karten im Maßstab 1:25.000 bis 1:50.000, möglichst mit eingezeichneten Wanderwegen. Auch Wanderkarten sind sehr brauchbar. Achten Sie jedoch darauf, dass sie möglichst mit Höhenlinien versehen sind, damit Sie die Schwierigkeiten und Belastungen besser abschätzen können. Auch über den Zustand der Wege sollten Sie sich im Vorfeld erkundigen. Hier können Ihnen ortsansässige Fremdenverkehrsämter weiterhelfen.
Kalkulieren Sie bei der Planung der Wanderung mit ein, wann die Sonne untergeht, damit Sie auf Ihrer Wanderung nicht von der Dunkelheit überrascht werden. Informieren Sie sich außerdem unbedingt über das zu erwartende Wetter und beachten Sie dabei das Temperaturgefälle, wenn Sie in den Bergen wandern möchten. Pro 100 Höhenmeter nimmt die Lufttemperatur etwa um ein Grad Celsius ab. Gerade in den Bergen kann das Wetter von einem Moment auf den anderen umschlagen. Wolken, Regen und Wind können zu drastischen Temperaturstürzen führen. Ziehen Sie sich daher entsprechend an. Am besten eignet sich dabei das "Zwiebelprinzip“ – viele Kleidungsstücke übereinander, die man nach Bedarf an- und ausziehen kann. Am besten eignet sich dazu atmungsaktive Sportbekleidung. Diese speziellen Textilien verhindern, dass man übermäßig schwitzt oder sofort friert, wenn es kälter wird.
Als unterste Schicht sollten Sie dabei Funktionsunterwäsche tragen. Dabei handelt es sich um Textilien, die den Schweiß des Körpers nach außen transportieren, damit er dort wenn möglich verdunsten kann. Ziehen Sie am besten ein T-Shirt oder Sweatshirt und eine leichte, aber wasserfeste und winddichte Jacke darüber. Dazu tragen Sie idealerweise eine Wasser-abweisende Hose.
Bei Kälte braucht man auch Handschuhe und eine Mütze, bei gutem Wetter einen Hut als Sonnenschutz. Wichtig: Auch bei bedecktem Himmel unbedingt mit Sonnenschutzmittel eincremen. Sehr wichtig sind auch angemessene Schuhe. Für kürzere Wanderausflüge können Sie schon einmal Ihre Joggingschuhe anziehen. Wenn Sie allerdings größere Touren machen wollen, brauchen Sie feste Wanderstiefel. Lassen Sie sich über deren Beschaffenheit am besten in einem Fachgeschäft beraten. In den Wanderrucksack gehören unbedingt eine Wasserflasche und Brote oder Müsliriegel, die Sie unterwegs, am besten bei regelmäßigen Pausen, alle zwei Stunden verzehren, anstatt mittags groß einzukehren und sich mit vollem Bauch auf den weiteren Weg zu begeben. Auch von alkoholischen Getränken sollten Sie während einer Wanderung Abstand nehmen.
Wenn Sie Probleme mit den Kniegelenken haben, sollten Sie besser bergauf wandern und bergab die Seilbahn nehmen, um die Kniegelenke zu schonen, die beim Abstieg stärker belastet werden. Stabile Wanderstöcke können vor allem bei Abstiegen sehr nützlich sein. Am besten eignen sich die verstellbaren Teleskopstöcke.
Buch-Tipp
Wandern an Flüssen und Seen. Die schönsten Genusstouren in Bayern und Tirol
Wolfgang Taschner, Michael Reimer
Bruckmann Verlag, 144 Seiten,
€ 19,90

