Heilpflanzen und Alternativmedizin
Soja: Länger gesund mit pflanzlichen Hormonen
Die Sojapflanze war in Asien schon vor mehr als 4.000 Jahren bekannt und galt als heilig. Soja wurde nicht nur als wertvolles Nahrungsmittel, sondern auch als Heilpflanze geschätzt. Auch hierzulande sind Sojaprodukte mittlerweile als nährstoffreiche und gesunde Lebensmittel anerkannt.
Das Geheimnis der Sojabohne
Dem eigentlichen Geheimnis der Sojabohne – obwohl im asiatischen Kulturkreis schon lange bekannt – kam die westliche Welt jedoch erst vor einigen Jahren auf die Spur: der wohltuenden Wirkung der Phyto-Östrogene. Bei den Phyto-Östrogenen handelt es sich um Pflanzenstoffe, die ihrer Struktur nach den vom Menschen selbst gebildeten Östrogenen ähneln, allen voran dem weiblichen Sexualhormon. Infolge dieser Ähnlichkeit mit den Östrogenen können Phyto-Östrogene an dieselben Rezeptoren binden wie ihre humanen Strukturverwandten und somit auch östrogen-ähnliche Wirkungen im menschlichen Stoffwechsel erzeugen. Die wichtigsten Phyto-Östrogene sind die so genannten Isoflavone aus Soja. Aber auch in vielen Getreidesorten und Pflanzensamen kommen Phyto-Östrogene vor; diese werden als Lignane bezeichnet. Leinsamen enthält besonders viele Phyto-Östrogene; geringere Mengen Lignane finden sich außerdem in Kürbiskernen sowie in Weizenkleie, Roggen und Buchweizen. Das medizinische Phänomen, dass Japanerinnen keine Wechseljahresbeschwerden kennen, wird auf ihren hohen Soja-Konsum zurückgeführt. Mit den vielen verschiedenen Sojaprodukten, die in der japanischen Küche gebräuchlich sind, verzehren die Japanerinnen täglich wesentlich höhere Mengen an Phyto-Östrogenen als Frauen in den westlichen Industrieländern. Der Effekt: Die Isoflavone des Soja kompensieren dabei quasi die in den Wechseljahren nachlassende Produktion und Wirkung der körpereigenen Östrogene, und die typischen Beschwerden der Wechseljahre, wie z.B. Hitzewallungen oder Schweißausbrüche, treten weniger oder gar nicht auf. Studien mit Frauen in den Wechseljahren zeigten ebenfalls, dass Isoflavone aus Soja die Häufigkeit der Hitzewallungen reduzieren können.
Frauen in den Wechseljahren haben infolge der nachlassenden Wirkung ihrer Östrogene zumeist auch ein erhöhtes Osteoporose-Risiko. Hier sind die Phyto-Östrogene ebenfalls hilfreich: Sie können nicht nur dem osteoporosebedingten Knochenabbau entgegenwirken, sondern sogar die Knochenmineraldichte erhöhen, z.B. im Oberschenkelhals. Phyto-Östrogene beeinflussen auch bestimmte Parameter des Knochenstoffwechsels positiv wie z.B. den Serumspiegel des Knochenproteins Osteocalcin. Damit nicht genug, sind Phyto-Östrogene auch antioxidativ wirksam und somit in der Lage, aggressive freie Radikale unschädlich zu machen. So können Isoflavone beispielsweise das LDL-Cholesterin im Blut vor Oxidation bewahren, also vor dem Angriff durch Sauerstoffradikale. Erst durch die Oxidation wird das LDL-Cholesterin tatsächlich zum potenziellen Risikofaktor für Arteriosklerose. Da die Phyto-Östrogene außerdem auch die Elastizität der Arterien verbessern, wirken sie sich somit positiv hinsichtlich der Gesundheit von Herz und Kreislauf aus. Wie Untersuchungen zeigen, können Isoflavone als Antioxidanzien auch das sensible Erbmaterial der Zellen - die DNA - schützen und außerdem die Aktivität antioxidativer Enzymsysteme im Körper verstärken.
Soja und Leinsamen stehen nach unseren Ernährungsgewohnheiten eher selten auf dem Speiseplan. Angesichts der zahlreichen positiven Effekte der Phyto-Östrogene empfiehlt es sich daher für Frauen in den Wechseljahren, sich zusätzlich über geeignete phytoöstrogenreiche Nahrungsergänzungen mit diesen wichtigen Substanzen zu versorgen.
Was passiert in den Wechseljahren?
Nichts läuft ohne sie, die Hormone. Die winzigen Signalstoffe steuern die Funktion jeder Körperzelle und jedes Organs. Sie beeinflussen unser Wachstum, unseren Schlaf, unsere Verdauung, unsere Fortpflanzung und unsere Gefühle. Das weibliche Sexualhormon Östrogen hat zum Beispiel 400 vitale Wirkungen auf die Körperzellen. Doch in den Wechseljahren lässt die körpereigene Produktion von Östrogen nach. Das kann ab dem 40. Lebensjahr allmählich zu einem Mangelzustand führen. Jede Frau empfindet die körperlichen und seelischen Veränderungen auf unterschiedliche Weise. Es kommt oft zu Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Schlafstörungen und anderen Symptomen der hormonellen Veränderung. Viele fühlen sich auch oft reizbar oder erschöpft.
Ungefähr 70 Prozent der deutschen Frauen leiden unter diesen typischen Wechseljahresbeschwerden. Früher waren Hormonersatztherapien mit Östrogen das Mittel der Wahl gegen diese Beschwerden. Heute nehmen immer mehr Frauen davon Abstand, denn eine wachsende Zahl von neuen Studien macht auf die Gefahren der Hormonersatztherapie aufmerksam. Phyto-Östrogene, die in Soja enthalten sind, stellen eine gute Alternative dar. Denn das Phyto-Östrogen kann sich wie das Human-Östrogen mit dem Zellkern verbinden. Ist die Östrogenkonzentration im Körper zu gering, dann können die Phyto-Östrogene an die nun freien Bindungsstellen des Zellkerns „andocken“.
Erhöhtes Brustkrebsrisiko durch Hormontherapie
Die Gefahren einer Hormontherapie gegen Wechseljahresbeschwerden sprechen ebenfalls dafür, diese mit natürlichen Mitteln zu bekämpfen. Frauen, die in den Wechseljahren Hormone einnehmen, haben einer neuen Studie zufolge, ein deutlich höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Das gilt vor allem für die Kombinationsbehandlung mit den Hormonen Östrogen und Progestagen. Das besagt eine englische Studie, die vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde.
Bei der bisher größten Untersuchung zum Thema Hormonersatztherapie wurden von 1996 bis 2001 mehr als eine Million Frauen zwischen 50 und 64 Jahren befragt. Dabei wurden die Art, die Länge und die Dosierung der Hormontherapie betrachtet. Über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren zeigte sich, dass Frauen, die eine Hormontherapie durchführten, im Vergleich zu Frauen, die niemals Hormonersatzpräparate verwendet hatten, ein um 66 % erhöhtes Brustkrebsrisiko sowie ein um 22 % erhöhtes Sterberisiko aufwiesen. Die Studie ergab außerdem, dass jede Art der Hormontherapie, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, das Risiko erhöhte und dass das Risiko nach dem Absetzen der Präparate wieder sank. Bei der Beurteilung des gesamten Krankheitsrisikos schnitt die Östrogen/Progestagen-Kombinationstherapie bei weitem am schlechtesten ab (Krankheitsrisiko um 100 Prozent erhöht). Tibolon (Kombination aus Androgen, Östrogen, Gestagen) führte immer noch zu einem um 45 % erhöhten Gesamt-Krankheitsrisiko.
Im Vergleich dazu führte eine reine Östrogentherapie, wie sie bei Frauen ohne Gebärmutter eingesetzt wird, „nur“ zu einem um 30 Prozent erhöhten Gesamt-Krankheitsrisiko. Grundsätzlich gilt: Je länger eine Hormontherapie durchgeführt wird, desto größer wird das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken – unabhängig von der Dosierung und der Art des Östrogens oder Progestagens und auch unabhängig davon, ob die Hormonpräparate in Form von Tabletten, Pflastern oder Implantaten gegeben werden. Ab dem 1. November 2003 müssen Hersteller von Hormonpräparaten gegen Wechseljahresbeschwerden in ihren Produktinformationen deutlich auf das Risiko von Brustkrebs, Herzinfarkten und Schlaganfällen hinweisen. Das berichtet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn.
Dem Ergebnis dieser Studie folgend empfiehlt die Österreichische Krebshilfe Frauen, die sich einer Hormontherapie gegen Wechseljahresbeschwerden unterziehen, diese wenn möglich in Absprache mit dem Arzt zu beenden und auf Behandlungsalternativen zurückzugreifen. Die pflanzlichen Phyto-Östrogene aus Soja sind eine gute und wirksame Alternative zu den künstlichen Hormonen. Phyto-Östrogene unterstützen den Hormonhaushalt während der Wechseljahre und gleichen die fehlende Menge körpereigener Östrogene sanft aus.
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