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Interview mit Martin Korte: “Wir sind Gedächtnis“

Prof. Martin Korte, Jahrgang 1964, ist Professor für Neurobiologie an der Technischen Universität Braunschweig. Der renommierte Lernforscher, Preisträger und Experte für Funk und Fernsehen hat sich in seinem neuen Buch Wir sind Gedächtnis mit den Fragen beschäftigt, was das Gedächtnis überhaupt ist, wie es funktioniert, warum es bestimmt wer wir sind und wie man es bis ins hohe Alter erhalten kann.

Medicom: Herr Korte, in ihrem Buch “Wir sind Gedächtnis“ widmen Sie sich detailliert und leidenschaftlich eben dieser Funktion des Gehirns. Was genau fasziniert Sie so daran, dass gleich ein ganzes Werk dabei heraussprang?
Prof. Korte: Das ganze ist mein Arbeitsgebiet geworden, weil ich tatsächlich glaube, dass wir durch die Erforschung des Gehirns - insbesondere durch die Mechanismen des Gedächtnisses - ganz viel über uns selber lernen, aber auch über Gesellschaften und Kulturen. Denn Kultur kann nur da entstehen, wo Erinnerungen an die nächste Generation weitergegeben werden. Außerdem fasziniert mich das Thema, weil es einfach so unglaublich komplex ist.   

Medicom: Sie sagen im Buch, dass unser Gedächtnis bestimmt wer wir sind. Könnten Sie das kurz erläutern?
Prof. Korte:
In vorherigen Jahren wurde häufig behauptet, dass unsere genetische Ausstattung bestimmt wer wir sind. Ich will nicht verneinen, dass auch genetische Komponenten dabei eine Rolle spielen wie wir als Mensch werden, aber die viel wichtigere Rolle spielen die Interaktion mit der Umwelt und die Erfahrungen, die wir dabei machen und welche Erkenntnisse wir daraus ziehen, um die Zukunft zu planen. Das heisst, wie wir zukünftige Probleme meistern, hängt maßgeblich von dem ab, was wir gelernt haben. Viele glauben, wir hätten das Gedächtnis, um uns zu erinnern. Das ist so nicht richtig. Wie wir heute wissen, haben wir es vielmehr, um die Zukunft zu planen. Darüber hinaus bestimmt das Gedächtnis auch, was wir über uns selbst denken und wie wir uns durch Interaktionen mit anderen Menschen immer wieder vor Augen führen wer wir sind.

Medicom: Können Sie in wenigen Sätzen erklären, wie der Prozess des Erinnerns überhaupt funktioniert?
Prof. Korte:
Interessanterweise meinen wir immer, dass wenn wir z.B. ein autobiographisches Erlebnis erinnern, zum Zeitpunkt zurückreisen, an dem wir das Ereignis erlebt haben. Das ist aber gar nicht richtig. Wir reisen an den Moment zurück, an dem wir das letzte Mal von dem Ereignis berichtet oder daran gedacht haben.

Medicom: Ehepaare erzählen nach einem gemeinsamen Urlaub oft sehr unterschiedliche Versionen. Beide behaupten meist Recht zu haben. Wieso ist das so?
Prof. Korte: Immer wenn wir etwas erinnern, wird es auch neu abgespeichert. Dabei gehen aktuelle Gefühle und aktuelle Ereignisse mit in die ursprüngliche Erinnerungspur ein, so dass sich die Erinnerungen im Laufe unseres Lebens auch verändern. Dabei werden oft Ereignisse hinzu erfunden, da wir immer nur Eckpunkte erinnern und den Rest assoziativ oder mit Wahrscheinlichkeiten auffüllen. Das ist zwar nicht immer korrekt, aber dafür eine extrem effektive Form des Speicherns. Und so kommen auch verschiedene Versionen ein und desselben erlebten Ereignisses einer Gruppe von Personen zustande.

Medicom: Das Gedächtnis hat ja auch schon mal komplette Aussetzer. Hat unser schlaues Gehirn kein Backup für solche Fälle?
Prof. Korte:
Es gibt manchmal Situationen, wo uns etwas auf der Zunge liegt und uns eben nicht einfällt. Dass heisst aber nicht, dass die Information verloren ist. Wir haben in diesem Moment nur eine falsche Assoziation gebildet, auf die das Gehirn immer wieder zurückkommt. Hier hilft dann eben nur, die Situation zu verlassen und zu einem späteren Zeitpunkt auf das zurückzukommen, was man erinnern möchte. Klassisches Beispiel ist hier die PIN-Nummer am Bankautomaten. Die kann plötzlich weg sein. Da hilft nur Ruhe bewahren und es später nochmal zu versuchen.

Medicom: Das Gedächtnis scheint besonders gut darin, Abläufe zu speichern und daraus Gewohnheiten zu machen. Viele Gewohnheiten sind uns aber gar nicht zuträglich. Was kann man denn gegen ungeliebte Gewohnheiten ausrichten?
Prof. Korte:
Zunächst sind Gewohnheiten extrem effektive Arten der Informationsverarbeitung, weil sie in Gehirnstrukturen vorgenommen werden, die unterhalb der Großhirnrinde liegen und damit weder unsere Aufmerksamkeit noch Konzentration benötigen. Es ist aber hilfreich sich im Laufe eines Tages immer wieder zu hinterfragen, warum habe ich bei dieser oder jener Situation so reagiert, wie ich reagiert habe. Wenn es um die Etablierung von schlechten Gewohnheiten oder sogar Süchten geht, sollte man vor allem den Kontext meiden, also die Situationen, in denen man diese Gewohnheiten ausübt.

Medicom: Heute prasseln immer mehr Informationen auf uns ein, vor allem durch das Internet. Wächst unser Gedächtnis mit den Aufgaben oder überfordern wir es gerade ohne es zu merken?
Prof. Korte:
Das Arbeitsgedächtnis hat eine sehr kleine Verarbeitungskapazität und wird heute ständig überfordert. Einfach weil wir versuchen, zu viele Informationen innerhalb zu kurzer Zeit über verschiedene Kanäle zu bearbeiten. Auf der anderen Seite trainieren wir unser Faktengedächtnis, unser Wissen, mittlerweile viel zu wenig, weil man ja meint, man könne alles mögliche mit einem Mausklick sofort nachschlagen. Dadurch verkümmert das Langzeitgedächtnis. Und das erfüllt mich schon mit Sorge, denn je mehr wir wissen, desto leichter können wir uns auch neues Wissen aneignen und richtige von falschen Nachrichten unterscheiden.

Medicom: Was sollte man tun, um die Gedächtnisleistung möglichst lange zu erhalten?
Prof. Korte:
Wichtig sind hier einfache Regeln. Deshalb habe ich die sogenannte 5-L-Regel aufgestellt. Auf der einen Seite eben Lernen. Wer ein Leben lang lernt, hält sein Gehirn jung und stärkt sein Gedächtnis sowie seine kognitiven Fähigkeiten bis ins hohe Alter hinein. Andererseits helfen dem Gedächtnis und auch dem Gehirn körperliche Aktivität. Dafür steht das Laufen als zweites L. Besonders in den Arealen, die Filterfunktionen für das Gedächtnis haben, sorgt Bewegung dafür, dass neue Nervenzellen gebildet werden können. Als drittes L dann Lieben, bzw. soziale Interaktion. In Vereinen oder caritativ tätig zu sein, hilft dabei, Gedächtnisfunktionen und weitere Gehirnfunktionen zu erhalten. Darüber hinaus sollte man auch mal in einer Situation inne halten, wie man das beim Lachen auch macht. Das wäre dann das vierte L. Das fünfte L ist der Lachs, weil sich eben Fischfette als positiv für Gehirne erwiesen haben. Man sollte aber auch darauf achten, was man alles nicht essen sollte und massives Übergewicht vermeiden. Generell kann man sagen, dass man sich auch etwas zutrauen sollte. Denn ein Gehirn kalibriert seine Leistungsfähigkeit danach, was es glaubt, leisten zu können.  

Medicom: Vielen Dank für das Gespräch!

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