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Was tun bei Knie- und Hüftoperationen?

Hüft- und Kniegelenksoperationen nehmen stetig zu. Was kann man tun, um einen Eingriff zu vermeiden oder nach einer OP schnell wieder fit zu werden? Darüber sprachen wir mit Herrn Prof. Heller über die Knackpunkte Hüfte und Knie. Eines ist gewiss: Richtig vorbeugen, Muskeltraining und rasche Genesung stehen in engem Zusammenhang.

Medicom: Hüft- oder Kniegelenksprothesen sind in der orthopädischen Chirurgie mittlerweile zu einem Standardeingriff geworden.
Prof. Heller: Ja, denn es gibt derzeit über 400.000 Eingriffe im Jahr in Deutschland. Dennoch möchte ich den Begriff Standard per se vermeiden, da jede OP eine Herausforderung darstellt und unbedingt der gründlichen Durchführung bedarf.

Medicom: Welche Diagnose macht den Einsatz eines künstlichen Gelenkes notwendig?
Prof. Heller: Vordergründig sind es Verschleißerkrankungen, das heißt Erkrankungen, die zu einer Knorpelschädigung führen. Das ist üblicherweise der normale Verschleiß, der bei vielen Menschen grundlos, sprich ohne von außen erkennbare Ursache auftritt, Knorpelüberlastung, Knorpelmangel bzw. –minderwertigkeit, oder es sind anlagebedingte Faktoren, wie Fehlstellungen der Hüfte, die in der Kindheit entstehen.

Medicom: Man liest und hört immer wieder von Sarkopenie. Was ist das genau und tritt sie bei allen Menschen ein?
Für welche Muskelgruppen gilt das besonders und warum?
Prof. Heller: Sarkopenie ist im Endeffekt der natürliche Abbauprozess der Muskulatur mit zunehmendem Alter. Muskeln und Knochen sind Organe, die sich bei Beanspruchung entweder verdichten, wie der Knochen, oder aufbauen, wie der Muskel. Bei Bewegungsmangel kommt es zu einer Abschwächung insbesondere der Muskulatur der Extremitäten, was wiederum zu dem schrecklichen Kreislauf der mangelnden Kraft, der mangelnden Koordination und dann im Alter natürlich zu den häufigen Stürzen führt. Daher ist eine Prophylaxe extrem wichtig. Bereits ab dem 30. Lebensjahr beginnt ein langsam fortschreitender Muskelabbau, der durch Sport aufgehalten werden kann. Ab dem Alter von 70 Jahren kann man den Abbau nicht mehr adäquat aufhalten, aber man kann gegensteuern und man kann in jedem Alter Muskulatur durch Training aufbauen.

Medicom: Wie rasch verliert man an Muskelmasse? Ist das bei Mann und Frau unterschiedlich?
Prof. Heller: Der Abbau der Muskulatur ist relativ homogen, ich glaube nicht, dass es wesentliche Unterschiede bei Mann und Frau gibt. Männer haben jedoch häufig eine höhere körperliche Aktivität, sodass sich der Muskelschwund eventuell nicht so stark ausprägt. Männer sterben jedoch auch früher, sodass hier im höheren Alter doch mehr Frauen die üblichen Frakturen erleiden bzw. diese häufiger an Osteoporose (Knochenschwund) leiden. Der Schwund der Muskelmasse geht langsam und schleichend vonstatten, immer einige wenige Prozent pro Jahr, führt jedoch auf lange Sicht zu einer gravierenden Einschränkung. Es kommt neben der verringerten Muskelkraft automatisch auch zu einer Einschränkung von Beweglichkeit, Koordination und Balancevermögen. Es gibt Statistiken, die bei einer Muskelkraft im 50. Lebensjahr von 100% durchaus davon ausgehen, dass sich diese bis zum 90. Lebensjahr auf 40 bis 45 % reduziert.

Medicom: Wie kann man dem Abbau der Muskelmasse am besten entgegensteuern?
Prof. Heller: Man kann durch sportliche Betätigung und durch proteinreiche Ernährung entgegenwirken. Das bedeutet dreimal die Woche 45 Minuten bewegen. Es genügt bereits ausgedehntes Spazierengehen, Tanzen, Walken, ein wenig Kraftsport. Auch zum Beispiel nicht mit dem Aufzug fahren, sondern Treppen steigen, die Rollbänder am Flughafen nicht stehend bewältigen, sondern gehend, Gartenarbeit nicht durch Hilfsmittel zu bequem machen, sondern selbst den Rasen mähen. Schlichtweg den Alltag etwas anstrengender gestalten. 

Medicom: Es wird empfohlen, dass Patienten vor dem Eingriff noch einmal richtig Muskeln aufbauen sollen. Das ist unter Umständen jedoch schwierig, weil es den Schmerzzustand verstärkt?
Prof. Heller: Hier sprechen Sie mir aus der Seele. Es wird bundesweit empfohlen, dies zu tun. Natürlich soll man die Beweglichkeit des Knies verbessern, die knieüberbrückende und hüftüberbrückende Muskulatur stärken. Das Sinnvollste wäre es, vor dem Eingriff noch einmal die Koordination zu schulen und zu lernen, an Gehstützen zu gehen, da dies älteren Patienten oft schwerfällt. Sobald die Schmerzen weg sind, kann man wieder daran arbeiten, die Muskeln aufzubauen.

Medicom: Auch die Knochen werden im Alter fragiler und Brüche kommen häufiger vor. Kann man dem ebenfalls mit
Bewegung vorbeugen?
Prof. Heller: Dem kann man selbstverständlich auch durch Bewegung vorbeugen. Aber wenn es ein hormonelles oder stoffwechselbedingtes Problem gibt, reicht dies nicht aus. Dann muss hier auch medikamentös mit Fluoriden, Vitamin D und entsprechenden Medikamenten vorgebeugt werden.

Medicom: Wie sieht es mit der Ernährung aus? Worauf ist hier besonders zu achten?
Prof. Heller: Für die Muskulatur ist zum Beispiel eine proteinreiche und für die Knochen eine calciumreiche Ernährung wichtig. Ich persönlich würde mich natürlich mit den gängigen Vitaminen versorgen und Proteine zu mir nehmen.

Medicom: Die Patienten werden nach dem Eingriff sehr bald wieder bewegt. Wie sieht der Rehabilitationsprozess aus und mit welchem Zeitraum ist hier zu rechnen?
Prof. Heller: Mittlerweile werden die Patienten tatsächlich am ersten Tag postoperativ bewegt. Teilweise stehen sie am ersten Tag schon wieder auf und beginnen dann mit intensiven Übungen, die sie etwa eine Woche unter stationären Bedingungen machen. Darauf folgt für die Dauer von drei Wochen eine Rehabilitation, die ambulant oder stationär durchführt wird. Nach meiner Einschätzung brauchen Patienten sechs Wochen, bis sie mit ihrer Hüftprothese über den Berg sind, nach drei Monaten sollten sie sie vergessen haben. Mit einem Kniegelenk ist man etwa sechs Monate beschäftigt, bis man das Gelenk vergessen kann. Bei der Hüfte erreichen wir im Allgemeinen eine Zufriedenheit von 98%, beim Knie nur eine Zufriedenheit von 80%. 20% der Patienten sind jedoch nicht ganz zufrieden, auch wenn bei der OP nichts geschehen oder falsch gelaufen ist.

Medicom: Gibt es eine Prädisposition für eine Degeneration des Knie- bzw. Hüftgelenkes?
Prof. Heller: Es gibt eine erbliche Komponente bei der Erkrankung des Hüft- und Kniegelenkes. Wenn Eltern oder Großeltern ähnliche Leiden haben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man sie auch hat. Wenn Sie eine sich entwickelnde Arthrose haben, können Sie diese nicht vermeiden. Was bei jeglicher Arthroseart wichtig ist, ist das Gelenk ausreichend zu bewegen, damit der Knorpel, der noch existent ist, noch ernährt wird. Knorpel wird nur durch Bewegung des Gelenkes ernährt, da er selbst keine Gefäße hat und Gelenkflüssigkeit benötigt, um erhalten und ernährt zu bleiben. Des Weiteren muss die gelenkstabilisierende Muskulatur trainiert werden, um eine optimale Kraftüberleitung zu haben und eine Überlastung des Gelenkes zu verhindern.

Medicom: Statistisch gesehen, wie viele Menschen benötigen einen Gelenkersatz und in welcher Altersgruppe finden die meisten Eingriffe statt?
Prof. Heller: Die Statistik besagt, dass wir 400.000 Gelenkeingriffe pro Jahr haben. 220.000 Hüften und 180.000 Knie. Die relativen Werte kann man sich somit ausrechnen. 20% der Patienten sind jünger als 60 Jahre, der Rest verteilt sich auf die anderen Altersgruppen. Die Hauptaltersgruppe ist die Gruppe zwischen 70 und 80 Jahren. Es ist jedoch auch sinnvoll, über 80-jährigen Patienten einen Gelenkersatz anzubieten, damit sie sich fit halten können. In dieser Altersgruppe haben wir dann auch Wechseloperationen, da die in jüngeren Jahren (mit ca. 50 bis 60 Jahren) eingebauten Prothesen sich dann eventuell lockern und ersetzt werden müssen.

Medicom: Welche Rolle spielt der demografische Wandel in Bezug auf die Altersstruktur der Bevölkerung, und welches Szenario erwartet uns, wenn nicht mehr Wert auf Prävention und Aufklärung gelegt wird?
Prof. Heller: Der demografische Wandel ist gehörig und führt derzeit auch zu großen Diskussionen, da damit natürlich auch immer mehr künstliche Gelenke eingebaut werden. Es kommen unglaublich geburtenstarke Jahrgänge, die nun alt werden und in die Phase kommen, wo sie künstliche Gelenke brauchen. Wir haben jeden Tag von unseren 15 bis 20 Prothesen, zwei bis vier Patienten aus den 1960er-Jahrgängen. Hier muss natürlich Aufklärung und Prävention betrieben werden. Dennoch werden wir die Menge der Hüft- und Knieoperationen nicht begrenzen können. Es werden in den nächsten Jahren mehr werden – und dies allein aufgrund der Demografie.

Medicom: Was ist zu tun?
Prof. Heller: Die Botschaft muss sein, gegen die Sarkopenie vorzugehen, die Muskulatur zu kräftigen und bei Frauen die Osteoporose in den Griff zu bekommen. Wir haben bisher zwar hauptsächlich von arthrotischen Veränderungen gesprochen, aber es gibt auch eine Vielzahl von Hüftgelenkprothesen bei Schenkelhals- und Oberschenkelfrakturen und hier ist die Prophylaxe ebenso wichtig wie bei der Sarkopenie.

Die Botschaft muss immer sein, sich viel zu bewegen, a) um die Knochen zu kräftigen, b) um die Muskulatur zu erhalten und c) um das Gelenk durchzubewegen und den Knorpel adäquat zu ernähren. 

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