greta silver
Lebensfreude, Energie und Leichtigkeit im Alter. Greta Silver – Lebenscoach weiß positive Lösungen für Altersfragen

„Wie cool es ist, alt zu sein“, zeigt uns Greta Silver, Expertin für Altersfragen und Medicom Markenbotschafterin. Freuen Sie sich auf einen Post einmal im Monat von ihr hier im Online-Magazin. Alles über Lebensfreude im Alter jetzt im Podcast-Interview.


Medicom: „Heute hat Medicom einen ganz besonderen Gast im Podcast: Sie ist Youtuberin mit 3,6 Mio. Aufrufen, Podcasterin und 2-fache SPIEGEL-Bestsellerautorin. Sie ist Greta Silver – 73 Jahre jung – sie rockt das Alter. Vor allem jedoch ist Greta Silver ein Mensch, von dem wir lernen können. Sie steht für Leichtigkeit, Energie, Charisma, Neustarts und Durchsetzungskraft. Ein Portrait über sie steht auf der Plattform der UNO: „Nachhaltigkeit – wie andere Länder mit dem Alter umgehen“, lautet der Titel. Ihr TEDx Talk in 2021 – ist ein weiterer Meilenstein.

Als Role Model lebt sie vor, wie man„seine eigene Vollversion” lebt – in jedem Alter.„Die Zeit zwischen 60 und 90 Jahren ist genauso spannend wie die Zeit zwischen 30 und 60. Wir bekommen ein gleiches Lebenspaket geschenkt, doch diesmal ohne Stress und Ängste”, so Greta Silver.

Medicom ist begeistert, Frau Silver in der Medicom Community willkommen zu heißen. Im gemeinsamen Gespräch verrät uns Greta Silver ihre Geschichte, wie sie Barrieren überwunden und Träume verwirklicht hat. Aktuell ist ihr Ziel, Menschen zu inspirieren insbesondere im Alter Freude zu leben und zu erleben.

Ich bin Ana Lorena Gómez und freue mich Frau Greta Silver für Medicom interviewen zu dürfen.“

Greta Silver: Herzlichen Dank, dass ich dabei sein darf. Ich freue mich sehr über diese Einladung.

Medicom: Sie rütteln sowohl junge als auch ältere Menschen bewusst mit dem Motto auf: „Die Zeit von 60 bis 90 Jahren ist genauso lang wie die von 30 bis 60!” Was ist für Sie das Erfolgsrezept für nachhaltiges Altern?

Greta Silver: Ich war 30, als ich begriff, dass ich anderen die Verantwortung übertragen hatte für mein Glück, dass ich sozusagen Geheimverträge hinterm Rücken abgeschlossen hatte von Menschen, die ahnten nichts davon. Also wenn mein Chef netter und mein Partner liebevoller wäre, dann wäre ich glücklich. Aber die haben das mit der Verantwortung überhaupt nicht begriffen. Und da stand keiner morgens und sagte: „Greta, was soll ich dir in deinen Kalender eintragen? Was brauchst du heute für deinen Tag? Was möchtest du machen? Wie energievoll möchtest du durchs Leben gehen? Was möchtest du da erreichen? Und was nächste Woche ist und was nächsten Monat?” Machte keiner.

Ich begriff, ich muss selber die Verantwortung übernehmen. Und das klingt ja erst einmal komisch. Wir sind ja gerne für andere da, auf der einen Seite und dieses „Ich soll selber für mein Glückstag sorgen“ ist ja so ein bisschen anrüchig bei uns und da aber zu erkennen, es ist weit entfernt von Egoismus, denn wir wissen alle, nur wenn es uns selber gut geht, können wir die Welt aus den Angeln heben.

Und wenn wir uns jetzt mal junge Familien vorstellen mit kleinen Kindern, wissen wir genau, wie erschöpft manchmal Eltern sein können. Oder wenn wir uns ältere Leute vorstellen, die vielleicht den Partner pflegen, dann wissen wir auch, wenn das zur völligen Erschöpfung kommt, dann ist da nicht mehr viel, was wir für den anderen tun können. Und da dieses Mal zu erkennen und zu wissen, ich habe die Verantwortung, ich muss schauen, dass es mir gut geht, dass es meinem Körper gut geht, dass es meiner Seele gut geht, dass es meinem Geist gut geht.

Wer nicht für sich selber sorgt, das ist unterlassene Hilfeleistung an dem anderen.

Ich weiß nicht, ob da draußen ein bisschen manchmal ein Satz gesellschaftlich schwebt, der so heißt wie: „Wie? Du gehst heute Abend ins Kino? Ich denke, dein Mann ist krank.” Das habe ich zwar nirgendwo schriftlich gesehen, aber ich glaube, das ist so ein Gefühl da draußen. Und wir meinen, wir müssten unser eigenes Leben aufgeben. Nein, ganz im Gegenteil, ich stelle mich heute hin und sage: Wer nicht für sich selber sorgt, das ist unterlassene Hilfeleistung an den anderen.

Denn es ist wie im Flugzeug, da begreifen wir das sofort. Erst die Sauerstoffmaske selbst aufsetzen und dann sind wir erst in der Lage, für andere zu sorgen. Also, diese Selbstverantwortung zu übernehmen, das erscheint mir so ein springender Punkt. Das betrifft unseren Körper genauso wie alles andere, was darüber hinausgeht.

Medicom: Aber welche Faktoren zählen denn dann zu den wertvollsten, um das Alter psychisch als auch physisch positiv zu beeinflussen und zu gestalten? Vielleicht fehlen dem einen oder anderenInstrumente?

Greta Silver: Bestimmt auch. Ich kam da ins Grübeln. Sie hatten das gerade erwähnt in dieser liebevollen Vorstellung – vielen Dank dafür nochmal – dass ein Film über mich bei der UNO auf der Plattform steht. Und er steht unter diesem Oberbegriff Nachhaltigkeit. Die zweite Zeile: Wie andere Länder mit dem Alter umgehen, die habe ich sofort verstanden. Aber ich habe gedacht, was habe ich denn mit Nachhaltigkeit zu tun und wer da auf die Suche gegangen und das ist eigentlich eine ganz klare Definition: Heute so zu leben, damit ich auch in Zukunft gut leben kann, damit mein Umfeld gut leben kann und auch die zukünftige Generation.

Und dann habe ich so überlegt: Ja, die Ressource Leben ist begrenzt. Wir wissen das alle. Und wenn ich jetzt zu meiner Verantwortung schaue, dann kann ich drei Hauptpunkte ausfindig machen:

Das eine ist Ernährung, Bewegung, Sport … diese ganzen Sachen, die wir als körperlich bezeichnen, um fit zu sein, denn ich zahle den Preis, also auch in jungen Jahren.

Das ist uns da nicht so bewusst, glaube ich. Ich glaube, die einzigen, die das glaube ich verstanden haben, sind die Raucher, dass die ein Risiko eingehen und eventuell einen Preis zahlen müssen. Aber auch wir mit unserer Ernährung, mit allem, was dazu gehört, also genug trinken und diese ganzen Sachen.

Unter dem Begriff Nachhaltigkeit, ist das Jammern in der Dauerschleife eine Umweltbelastung.

Dann aber auch dieser Bereich unserer Emotionen. Ich stelle mich hin und sage: Unter dem Begriff Nachhaltigkeit, ist das Jammern in der Dauerschleife eine Umweltbelastung. Es zieht nicht nur mich selber runter, sondern es zieht auch mein Umfeld runter. Klar weiß ich, manchmal müssen wir jammern und uns auch mal über den Chef beklagen können, aber das zu nutzen und da befürchte ich, ist das in Deutschland schon ein bisschen gang und gäbe, das als Dating-Plattform zu nutzen, um Verbündete zu finden. Ich sag mal, wenn ich jetzt irgendwo in einer anderen Stadt an einer Bushaltestelle stehe und fange an zu jammern über den Bus und er kommt immer zu spät und ich weiß nicht was, hab ich sofort Verbündete.

Aber wir müssen uns bewusst sein. Auf dieser Dating-Plattform sind nur Jammerlappen unterwegs. Also die ziehen sich gegenseitig runter und der Preis ist hoch. Ich weiß nicht, ob es eventuell sein kann, das ist nur so eine kleine These von mir, ob die stimmt, keine Ahnung. Jeder möchte mit positiven und inspirierenden Menschen zusammen sein. Kann es sein, dass Jammerer, dass Jammern in die Einsamkeit führt? Ich weiß es nicht, aber ich glaube, es ist mal ein Gedanke wert.

Sind wir bereit, diesen Preis zu zahlen?

Und das andere ist unser Denkverhalten. Das ist so ein großer Schlüssel. Das ist unfassbar. Also wir haben ja immer schon so Sätze gekannt von Henry Ford damals: Egal, was du denkst, du wirst recht behalten, oder diese self-fulfilling prophecy ist uns geläufig. Aber die Hirnforschung kann das heute messen. Und die sagen: Unser Gehirn wird alles tun, damit wir Recht bekommen.

Was für ein gefährliches Ding. Wenn wir zum Beispiel denken: Alter ist schrecklich, dann wird es uns all das zeigen, was zu diesem Denkverhalten gehört. Und unsere Gedanken beeinflussen unsere Handlungen. Das wissen wir. Und schon haben wir recht. Aber wir können es ja auch anders nutzen und uns vorstellen: „Boah, ich bin mal so gespannt, was mir die Zukunft alles Schönes bringen wird.“ Und schon wird mir das andere Bilder zeigen im Leben. Denn unser Gehirn, auch das kann die Hirnforschung klar deuten, arbeitet wie eine Google-Suchmaschine.

Es sortiert vor. Sagen wir so, wenn ich im Internet unterwegs bin und immer nur diese Katastrophen sehen will, nochmal nachlesen will oder ob ich das Internet nutze für Backrezepte und Musikhören, dann hat derselbe Suchbegriff für den einen die abgebrannten Häuser, weil die Weihnachtsbäume abgebrannt sind und für den anderen Weihnachtsplätzchen und Weihnachtsmusik. Also sich das mal vorzustellen, was das da oben für ein wichtiger Punkt ist, auch da hatte ich im Leben so eine Chance.

Ich war 27 als mein Mann und ich beschlossen, es ist Zeit für Kinder. Nur drei Jahre passierte da nichts. Und als wir uns dann fragten: „Könnten wir ein adoptiertes Kind genauso lieben wie unser eigenes?“ Ich glaube, viele wissen jetzt schon, wie die Geschichte weitergeht, da war ich im nächsten Monat schwanger, als wir das mit Ja beantwortet haben. Und da hab ich mich natürlich über die Schwangerschaft gefreut, aber ich hatte so ein Heidenschreck gekriegt. Kann es sein, dass ich mit meinen Gedanken körperliche Abläufe bestimmt habe?

Also da habe ich gedacht, ich muss da oben Chef werden. Früher habe ich gedacht: „Ja, die Gedanken sind ja nun mal da. Dafür kann ich doch nichts. Wir können sie rausschmeißen. Wir können Gedanken rausschmeißen. Wir können Gedanken-Disziplin lernen. Das hatte ich mir mal groß aufgeschrieben über meinen Schreibtisch gehängt. Also da Chef im Ring zu werden, verändert das Leben. Es ist kolossal.

Medicom: Ja, Routinen haben uns fest im Griff. Und natürlich lieben wir auch unsere Komfortzone. Das heißt also täglich das Gleiche tun, führt auch dazu, dass wir täglich sehr vieles von dem Gleichen erleben. Wenn man dann die Bereitschaft hat, diese Komfortzone zu durchbrechen, hat man natürlich auch erst einmal mit einer gewissen Angst zu kämpfen.

Wenn ich mir jetzt Sie angucke, dann weiß ich, Sie haben mit 66 Jahren einen Neustart gewagt. Das ist vielleicht nicht für jedermann oder jedefrau das Richtige, oder? Lassen Sie uns an Ihrer Erfahrung teilhaben. Wie kam es dazu? Gab es einen Schlüsselmoment, wo gab es diesen Moment, wo man sagt, jetzt springe ich ins kalte Wasser.

Greta Silver: Also, da sind ja so viele schöne Stichworte gerade gefallen wie Komfortzone, und was kann ich tun? Und wie ist es bei mir passiert? Darf ich nochmal kurz auf die Komfortzone eingehen? Erst einmal hat die für mich so einen völlig falschen Namen, weil Komfort ist für mich, also alles ist da, für die ganze Fülle und so etwas. Aber ich glaube, Komfortzone ist etwas, da beschränken wir uns auf etwas ganz Schmales, was uns vertraut ist und wo wir kein großes Risiko eingehen.

Ich glaube, so und so ein bisschen, das ist glaube ich Komfortzone. Die Lust zu leben ist das, was mich da rausbringt, also die Neugier, wie werde ich mich fühlen, wenn ich das versuche, wie werde ich mich fühlen, wenn ich das ändere? Wenn ich tatsächlich meine Vision, meine Vorstellung von einem tollen, erfüllten Leben umsetze. Also das heißt, ich bin, glaube ich, gar nicht so mutig. Denn Mut definiere ich so: Die Angst unter den Arm klemmen und etwas trotzdem machen.

[ … ] man braucht diesen Mut in meinen Augen gar nicht, sondern die Neugier auf das Leben und die Begeisterungsfähigkeit. 

Da bin ich, glaube ich, gar nicht so stark drin, sondern man braucht diesen Mut in meinen Augen gar nicht, sondern die Neugier auf das Leben und die Begeisterungsfähigkeit. Das sind diese zwei Dinge, die mich haben springen lassen. Wenn ich dachte, na ja, also vom Typ her bin ich schon einer, der gerne seinen Fuß noch auf dem Vertrauten, auf der Komfortzone hat. Aber das geht nicht immer, wenn man das andere haben will und da dann zu springen, das war für mich die Neugier auf das Leben und die oder es ist immer noch die Begeisterungsfähigkeit.

Frage: Wie fing das denn bei mir um Gottes Willen an? Also vielleicht auch nochmal ganz kurz reingeschoben. Ich habe Abitur und sonst gar nichts. Ich war 17 Jahre Hausfrau und Mutter und das begeistert. Mit drei Kindern, Mann, Haus, Hund, Marmelade kochen und diese ganzen Sachen. Und da hab ich gelernt, ich musste mein Glück im Kleinen, Alltäglichen finden, sonst wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen.

Heute heißt das ja Elternzeit, den Begriff gab es damals noch nicht, aber 17 Jahre. Diese, wenn man so will, auch Eintönigkeit, da etwas zu finden, denn ich hab gemerkt, ich hak mein Leben einfach nur ab. Betten machen, Badezimmer machen, einkaufen, kochen, mit den Kindern Mittag essen und dann? Heute heißt das Qualitytime. Ist es vielleicht, wenn meine Kinder ihre Schularbeiten machen, habe ich eine Stunde für mich. Da habe ich gedacht, hier läuft was falsch, du kannst einfach nicht so leben, das geht einfach nicht.

Und dann stand ich da und dachte: Ja, meine Güte, noch eins…. Wie soll ich denn diesen langweiligen Arbeiten einen Sinn geben? Das geht doch gar nicht. Also, ich kann mich jetzt noch erinnern, nicht an alle Sachen, die ich mir damals hab einfallen lassen, aber dass mir bewusst war, es mag Menschen geben, die körperlich gerade nicht in der Lage sind, Betten zu machen und die würden mich beneiden. Das war nicht so, dass ich da Hurra geschrieben habe und hab gesagt Hurra, ich kann jetzt Betten machen, aber es gehörte jetzt einfach dazu.

Und ich glaube, man kann mich noch besser verstehen, wenn ich sage, vor ein paar Jahren ist mir das noch geglückt mit der Steuer. Jedes Mal, wenn ich Steuer machen musste – das Wort schon alleine – musste ich eine Schwelle überschreiten. „Oh Gott, ja und die Termine und ich wurde schon gemahnt und oh Gott, ja, ich muss noch Steuer machen“. So war ich drauf. Und dann hab ich mich irgendwann hingestellt, hab gesagt: „Okay, wenn du kein Geld verdienen würdest, müsstest du ja keine Steuer machen. Willst du das?“

Und schon war das einfach Teil des Lebens geworden. Also ja, das ist jetzt dran, das mach ich. Ich musste nicht mehr Energie aufwenden, um diese Schwelle zu überwinden. Also da zu gucken, wie kann ich meinen Alltag, das, was ich tue, tatsächlich mir selber sinnvoller machen. Das gehört jetzt zu meinem Leben dazu. Und, okay, Ende, also ohne Hurra, Geschrei. Sag ich mal. Aber das spart auch schon mal enorm Energie.

Aber ich war jetzt sehr ausschweifend. Die Kernfrage: Wie kam ich überhaupt dazu, einen YouTube-Kanal aufzumachen mit 66. Und das war eine Freundin, eine jugendliche Freundin, die mir sagte: „Mensch Greta, ich glaube, du musst der Welt erzählen, wie toll es ist, alt zu sein. Das weiß ja keiner. Du lebst das irgendwie anders.“ Und dann habe ich am nächsten Tag ein YouTube-Kanal aufgemacht. Ich hatte ja noch nicht einmal Facebook Erfahrung. Ich hatte null Ahnung, was auf mich zukommt.

Also ein Kanal aufzumachen, Filme reinzustellen, ist überhaupt nicht schwer. Aber gefunden zu werden, das war meine große Schwierigkeit. Also Technik, ich sage ja immer noch heute, das ist nicht mein Ding. Werde ich aber ausgelacht, weil ich ja doch mit meinem Nichtwissen irgendwo doch schon weiter gekommen bin. Hier fragen, dort fragen, erst sich Tutorials anschauen und dann diese ganzen Sachen.

Und dann …. ja, mich auch für die anderen interessieren. Also nicht jetzt nur meine Sache da machen, sondern zu gucken, wo sind denn die Leute unterwegs, die ich gerne erreichen möchte. Denn als ich feststellte, dass meine kleinen Filme – das sind über 600 mittlerweile – das Leben von anderen doch maßgeblich leichter machen können, wurde das wie eine Mission für mich, so war ich gar nicht gestartet. Ich habe gedacht, ich probiere das mal aus und das ist so etwas Sinnvolles für mich. Das ist also ein Geschenk.

Mein Weltbild hat sich verändert. Zu merken, da draußen gibt es so viele, die so unterwegs sind wie ich und das ist so bereichernd. Das war quasi mein Anfang. Und dann kamen die Bücher dazu. Das nahm nochmal eine enorme Reichweite rein und dann wurde ich schon mal angesprochen: „Willst du nicht auch einen Podcast machen?“ Ne, ich muss nicht all diesen neumodischen Kram machen. Ich habe einen gut funktionierenden YouTube-Kanal. Und dann weiß ich noch, ich ging durchs Esszimmer zur Küche und dann dachte ich, es wäre aber schon toll, wenn du das könntest.

Da entstand so ein Grinsen in mir und dachte: Okay, ist klar, der Hebel war umgelegt und ich hab’s ausprobiert und gemacht. Und er hat jetzt 185.000 Follower. Und ist erst zwei Jahre am Markt. Also das ist sensationell.

Medicom: Trotzdem interessiert mich natürlich die Reaktion auch der Familie, des Freundes- und Bekanntenkreises. Mussten Sie sich anhören: Oh Gott, jetzt ist die Greta total durchgeknallt? Was ist passiert?

Greta Silver: Also, erst fange ich mit der kleinen Familie an. Ich habe mich mit 48 Jahren, nachdem ich 17 Jahre Hausfrau und Mutter war, selbstständig gemacht. Das schafft für meine Kinder der größte Changer, die größte Änderung, dass ich also zur erfolgreichen Business-Frau wurde. Und ich weiß noch, dass mein Ältester mir mal sagte – da war er so 16, 17 – ich weiß nicht mehr genau: „Mami, du hast mein Frauenbild verändert. Ich habe nie gedacht, dass also eine Frau einfach da auch für die Familie das Familieneinkommen stellen kann“.

Das war für ihn in so einer Welt noch ganz ungewöhnlich, denn mein Mann hatte mit 54 seinen Job verloren. Ich hatte mich gerade selbstständig gemacht. Haus nicht bezahlt, zwei Kinder im Studium … und so lag alles auf meinen Schultern. Und da hab ich geantwortet: „Meine Schwiegertochter wird das noch zu danken wissen, dass du ein anderes Frauenbild mitgekriegt hast.“ Das heißt, die haben jetzt mit dieser anderen Welle ab 66 nicht mehr so einen Unterschied in mir erlebt.

Sie sagen zwar auch, ich hab mich nochmal neu erfunden, aber da gab’s keinen Widerstand, oder irgendwie so etwas. Also die haben natürlich, keiner, auch ich nicht, die Dimension erahnen können, was da so losgeht. Aber draußen, das kriege ich nur über Ecken mit. Denn wenn ich von etwas begeistert bin, dann hab ich so eine Bugwelle. Dann spricht mich keiner an und sagt: „Ja Mensch Greta sei mal vorsichtig“. Aber ich höre das dann über andere und da möchte ich doch wirklich gern mal hereinbringen, das muss nicht jeder nachmachen.

Wenn Leute sagen: “Braucht die das? Die arbeitet dermaßen viel. Und warum setzt sie sich jetzt nicht zur Ruhe?“ Ist das völlig legitim in meinen Augen. Aber es gibt auch Leute, die sagen: „Mensch, 30 Jahre hab ich da noch? Also die will ich nicht nur absitzen oder mal ein bisschen Golfspielen oder mal ein bisschen an die See fahren oder in die Berge oder so. Sondern, da möchte ich noch etwas bewegen. Da geht noch was!“ Diese sind dann bei mir richtig.

Insofern gibt es solche und solche. Aber dass mir jetzt gesagt wurde, die ist ja durchgeknallt oder irgendwie sowas, das hab ich so noch nicht erlebt. Also dazu bin, ich glaub ich auch viel zu geerdet und hab so richtiges Handwerkszeug da anzubieten.

Medicom: Welche Vorteile und positiven Erkenntnisse bringt das Alter? Was würden Sie heute mit Ihrer Erfahrung sagen?

Greta Silver: Also, was uns, glaube ich, allen nicht bewusst ist, ist unser Lebens-Know-how, das, was Alter bedeutet für mich ist diese unglaubliche Fülle, aber ich möchte das auch mal den jungen Menschen zusprechen. Also wenn man 30 ist und zurückschaut, wie war ich denn mit 20? Erkennt man auch, dass man das Leben deutlich besser versteht und mit 40 noch mehr und mit 50 usw. Das geht in meinen Augen immer weiter.

Ich bin manchmal ehrenamtlich mit Musikstudenten unterwegs und erzähle ihnen, was sie erwartet, wenn sie Konzerte im Altersheim geben. Und dann schocke ich sie und sage, da sitzt die Generation, die euer Handy erfunden hat. Da sitzt die Generation, die das deutsche Wirtschaftswunder erarbeitet hat. Und übrigens ist es auch die Generation, die zum Mond geflogen ist. Das ist uns allen nicht bewusst, wir haben da oben Bilder im Kopf, das ist jammervoll. Uns selber ist das, uns Alten, meine ich damit, ist das selber aber auch gar nicht so bewusst.

Wir klappen das Buch zu und sagen: Jetzt bin ich alt, jetzt brauche ich einen Rollator. Das hat doch nichts mit unserer Würde zu tun. Das verändert doch nicht den Menschen. Und der Treppenlift, der geht ja bei vielen direkt in den Sarg. Dabei ist er wie ein Ferrari. Ferrari fährt von A nach B. Der Treppenlift fährt von oben nach unten und sonst nichts. Wir haben immer in unserem Leben Helfer gebraucht und genutzt.

Kein junger Mensch jammert rum und sagt: Oh, Mensch ich bin jetzt nicht mehr in der Lage, die Wäsche mit der Hand zu waschen. Das wird mir zu mühsam. Ich brauche eine Waschmaschine. Macht keiner. Nur wir im Alter haben da so komische Gedanken und geben auf. Oder packen uns selbst zum alten Eisen, wenn es nicht das Umfeld schon macht. Ich kenne auch so Sachen, die so lauten wie: Och ja, jetzt ist sie 60. Wie schade. Es war eigentlich eine ganz nette Frau.

Und wenn ich dabei auf der Bühne stehe, frage ich auch gerne mal ins Publikum: Okay, stellt euch mal so einen über 90-jährigen Mann vor. Oh, dann frage ich: „Sah der aus wie Helmut Schmidt, unser ehemaliger Bundeskanzler? Der war nachher im Rollstuhl“. Das spielt überhaupt keine Rolle. Seine Meinung war gefragt und nicht, welchen Rotwein er trinkt oder welche Zigarettenmarke er raucht, sondern, die wollten wissen, wie er über das Weltgeschehen denkt.

Da hat sich nichts verändert. Ob der im Rollstuhl saß oder nicht. Und da in uns selbst mal so andere Gedankenmuster aufzufächern, mal zuzulassen, wohlwollend zu prüfen, könnte das sein? Könnte das sein, dass das ich gar nicht weniger wichtig bin für mein Umfeld, nur weil ich einen Rollator brauche? Könnte das sein? Also ein guter Maßstab ist auch immer, wäre meine Freundin dann für mich nicht mehr so wertvoll, wenn die jetzt einen Rollator hätte?

Also, um sich selber mal auf die Sprünge zu helfen und zu erkennen, diese Bilder gehören aufs Fegefeuer. Weg damit und durchatmen und diese Fülle erkennen von unserem Lebens-Know-how. Wir sind alle durch Niederlagen gegangen. Wir haben alle Krisen überlebt. Wir haben gelitten, ganz ohne Frage, aber wir haben daraus gelernt. Das ist so ein kostbares Gut.

Also, ich meine, wann geht denn ein Fußballspieler siegreich vom Platz und sagt: Shaka. Ich hab’s gerissen. Das ist doch nicht, wenn die Gegner alle zur Seite springen und sagen: „Hier, geh da durch“. Oder der Torwart sagt: „Bitte sehr, hier ist ein Tor“. Ne, das ist, wenn der sich da durch gefummelt hat und drüber weg und an der Seite vorbei. Und wie auch immer, dann ist er siegreich. Und so haben wir auch gelebt. So haben wir gelebt. Wir haben immer das Beste draus gemacht.Das macht uns stark. Und das ist unser Trampolin, was uns jetzt im Alter hilft, da neue Sachen zu machen.

Jetzt ist die Zeit, unsere Talente zu leben.

Jetzt ist die Zeit, unsere Talente zu leben. Denn ich meine, schauen wir uns doch mal an. Ich habe drei Kinder und vier Enkelkinder, um die gleich mal mitzuerwähnen. Wie stehen die denn morgens auf? Auch so gelassen wie ich? Mal gucken, was der Tag bringt und was Schönes vorhaben oder so. Oder haben die Stress oder schlaflose Nächte, weil Kind krank? Daran kann ich mich auch noch erinnern. Also, was weiß ich, eins schlief dann vielleicht auch tagsüber, weil es krank war, aber die anderen zwei sagten: „Hey Mami, was kostet die Welt?“.

Das fällt alles weg im Alter. Das mal zu erfassen. Ich kenne auch den Satz: Ich bin zwar 60, 70 oder so, aber ich fühle mich viel jünger. Und dann frage ich gerne: Ja, wie stellst du dir das vor? Sind das diese Dreißiger oder Vierziger, wo man noch so viel Ängste hatte, noch so viel Stress auch im Job und diese Sachen? Oder ist es dieses „Wow, was kostet die Welt“, dieses „Ich kann noch so viel bewegen“, und das haben wir auch. Und dann sag ich gerne: „Ok. Und wo lässt du das raus? Wo? Na, ich fühl mich noch so jung. Wo wird das denn sichtbar? Da jetzt mal die Sachen machen zu können, für die man in jungen Jahren keine Zeit hatte, wo man sagt: „Ah, Mensch, das würde ich auch gerne mal ausprobieren.“

Und jetzt können wir das alles machen. Und es ist auch nicht schlimm, wenn man nach paar Monaten sagt: „Och ne, das hab ich mir doch anders vorgestellt, das ist nicht mein Ding“. Dann hört man auf. Als ein junger Mensch ist man ja schnell verrufen, sozusagen. Was will der denn noch alles ausprobieren? Meine Güte, wann kommt er endlich mal zu Potte? Und wir im Alter können uns sagen: Wir müssen uns mit 120 nicht sagen: Hätte ich das doch mal ausprobiert.

Medicom: Aber wie sehen Sie sich? Als Familienmensch? Als Individualistin? Oder lässt sich beides wunderbar vereinen?

Greta Silver: Oh, das ist eine gute Frage, weil ich da selber neulich in so eine Falle getreten bin. Also würde ich gerne von erzählen. Wir hatten Fotos gemacht für das Cover meines neuen Buches und saß am nächsten Tag mit der Fotografin zusammen. Und wir sortierten aus. Wir hatten am Abend vorher schon geguckt, waren auch sehr begeistert. Dann ergab sich das, also ein Wort gab das andere, die eine sagte: „Boah, ich glaube, die lebt in Notting Hill“. Und dann kam: „Die ist Künstlerin und die ist dieses und jenes. Die kocht selbst, hat aber ihr eigenes Gemüse im Garten und was weiß ich nicht alles“.

Also, da flogen so Ideen durch die Gegend und ich merkte, in mir kam so eine Traurigkeit hoch und sagte dann: „Das bin ich gar nicht. Das bin ich gar nicht und dann war mein Umfeld geschockt und sagte: „Wie bitte? Du bist nicht die Künstlerin. Du schreibst Bücher, du schreibst Gedichte, du malst, du verkaufst deine Bilder. Und Du lernst tolle Leute kennen. Du bist mit tollen Leuten zusammen.“ Das war auch so ein Argument: Natürlich kochst du zweimal am Tag selber für dich. Natürlich siehst du zu, dass du da gesunde Ernährung kriegst und sowas alles. Das bist du doch.

Und da habe ich begriffen, wenn ich das nicht realisiere, lebe ich das nicht. Das ist so, als wäre es nicht da. Und da ist mir nochmal so klar die Dankbarkeit auf die Füße gefallen. Wenn ich nicht dankbar für etwas bin, das kann ich auch im Materiellen jetzt übertragen, dann ist das, als wäre es gar nicht vorhanden. Dann bereichert es mein Leben nicht.

Also, ich hab mich tatsächlich jetzt mehr als Geschäftsfrau gesehen. Familie auch, ich bin eine sehr intensive oder wir leben alle sehr intensiv Familie mit Treffen allen zusammen und wir leben, also ich kann meine Familie innerhalb einer Stunde erreichen. Und das genieße ich schon sehr. Aber das ist nicht mehr mein Hauptpunkt. Das hat sich ja verlagert jetzt im Alter.

Aber die Business Frau, die war ganz weit vorne und dann musste ich tatsächlich ein bisschen lernen. Ich habe mir zwei, drei Fotos hier aufgehängt, damit ich, wenn ich morgens aufstehe, weiß, ja, die Künstlerin in mir, die gibt es auch. Die musste ich tatsächlich wieder in mein Leben hineinnehmen. Also das war für mich nochmal so eine wichtige Lernerfahrung. Das, für das ich nicht dankbar bin, was ich nicht im Fokus habe, ist so, als ob es in meinem Leben gar nicht da wäre. Boah, danke für die Lernerfahrung. Ich kann die hier gleich weitergeben.

Medicom: Danke. Sehr schön. Jetzt, da sie gerade die Arbeit angesprochen haben, lassen Sie uns einen Blick darauf werfen. Wie würden Sie Ihre Kanäle beschreiben? Und was kann man, was kann jeder von uns jeweils auf diesen Kanal, Kanälen erwarten? Ich fasse kurz zusammen, Facebook mit 5.000 Followern, Instagram mit über 22.000, YouTube, 32.500. Jetzt haben Sie ein Podcast seit zwei Jahren. „Glücklich sein ist eine Entscheidung“. Also, ein Fass ohne Boden?

Greta Silver: Ja, und doch so unterschiedlich. Also erstmal fasziniert mich am Internet, das hat ja auch manchmal einen schlechten Ruf, welches ich auch nachvollziehen kann, aber für mich ein ganz großer Vorteil des Internets ist, auf diesen Plattformen findet man Gleichgesinnte. Das mal zu begreifen, auch wenn ich was weiß ich die perfekte Strickerin bin, dann gibt es Seiten, wo die sich finden. Wenn man sagt: „Ah, ich hab in meinem Umfeld überhaupt niemanden, der so tickt wie ich.“ Dann würd ich sagen: „Guck mal, was machst du hauptsächlich, wen suchst du? Und dann geh mal ins Internet. Und da findest du deine Gleichgesinnten.“

Also das auch mal zu diesem vielleicht Einsamkeitsthema. Aber das Internet, also YouTube, das war ja mein Anfang. Das sind Filme. Das ist ja ein unglaublich großer Kanal. Also eine große Plattform. Da schaut man Filme, das heißt, meine Aufmerksamkeit ist dann schon irgendwo gebündelt.

 Das kann ich zwar auch nebenbei so beim Bügeln machen, aber ansonsten, ein Film will eigentlich auch meine Augen haben. Beim Podcast ist es so, dass ich das nebenbei machen kann im Badezimmer. Da höre ich eben nur. Also das ist da schon mal der große Unterschied. Und jetzt so Seiten wie Instagram und Facebook und Linkedin, denn ich will ja jetzt keinen vergessen, was weiß ich, Twitter irgendwie, die Vielzahl ist ja sehr groß, da holt man sich Appetit. Und es sind ja alles ähnliche Nachrichten, die ich letztendlich rausbringe.

Für mich sehr bereichernd, diese Kommentare dann zu bekommen, denn das wäre ja sonst gar nicht möglich. Das ist so ein Geschenk für mich. Alle denken immer, ich schenke immer nur, ne, das ist win-win. Also ich profitiere davon, so sehr zu erleben, dass ich da so viel verändern kann und darf und also auch, dass es so viele positive Menschen auf der Welt gibt.

Ja, das ist ja jetzt auch ganz aktuell, gerade bei der Flutkatastrophe, die wir ja hier gerade hatten oder vor einiger Zeit hatten. Und da durfte ich am ARD-Spendentelefon dabeisitzen. Und aus wie viel Einzelbeträgen da diese 16 Millionen, die in dieser Aktion zusammengekommen sind, an positiven Menschen, an Menschen, die helfen wollen, die dabei sind, oder dann auch die, die mit dem Trecker durch halb Deutschland gefahren sind, um da vor Ort zu helfen oder die mit der Schippe hingefahren sind. Diese vielen Einzelmenschen, die nehmen wir gar nicht wahr, die gehen unter in dieser großen Helferzahl.

Aber die paar, die da querschießen und glauben, sie müssten das für irgendwas nutzen. Die kriegen dann so Fernsehausschnitte und so. Das verschiebt unser Weltbild und also da kann man leicht in Schieflage geraten. In meinen Augen, dass man denkt, die Welt ist schlimm oder irgendwie so etwas. Nein, es gibt so viel tolle, positive Menschen, die anpacken, die was machen. Und das da bei mir auf diesen ganzen Kanälen zu erleben, zu sehen und die sich auch äußern dazu, dass sie genauso unterwegs sind.

[ … ] da ist eine Welle von diesen tollen Leuten im Alter, die einfach die Welt verbessern wollen.

Denn ich bin ja nicht die Einzige. Ich bin vielleicht Fahnenträgerin, aber da ist eine Welle von diesen tollen Leuten im Alter, die einfach die Welt verbessern wollen. Und da ein Herzensthema haben und sagen: Es lohnt sich. Das ist so bereichernd, es ist einfach toll. Also, ich kann da wirklich nur Mut machen, auch das Internet mitzunutzen.

Medicom: Sie schreiben Gedichte und Bücher über das Glück jenseits der 60 und Ihr Bestseller hat den Titel: „Alt genug, um mich jung zu fühlen“. Und Ihr nächstes Buch erscheint in 2022 mit dem Titel „Bringe dich selbst zum Leuchten. Schönheit im Alter“. Wem empfehlen Sie denn die Lektüre Ihrer Bücher? Ist das genauso wie bei den Kanälen? Sie sagen, jeder, der diese Information sucht, soll sie bekommen oder wird sie auch finden. Wäre das die Zielgruppe?

Greta Silver: Ja, also ich glaube, die, die einfach sagen, bei mir geht noch was. Also, die einfach ein bisschen mehr wollen, spielt gar keine Rolle, in welchem Alter, die raus aus eingefahrenen Bahnen kommen wollen, die da, was weiß ich, die sagen: Ich bin es so leid, dass ich vor so vielen Sachen Angst habe. Man kann angstfrei leben. Ich meine, Angst brauchen wir auf der einen Seite vor Feuer und diesen ganzen Sachen. Das ist unstrittig. Aber, wenn man eine Statistik kennt, die sagt, wir machen uns zu 95 Prozent für Sachen verrückt, die gar nicht eintreffen, dann wird deutlich, hey, wo sind wir denn sonst so wenig rational, dass wir uns um Sachen kümmern, die nur eine 5 Prozent Chance haben?

Oder wie kann ich mit alten Verletzungen umgehen, diese ganzen Sachen mal zu erfahren. Das ist gar nicht so schwer. Denn manche laufen ja mit diesen Verletzungen im Rucksack ein Leben lang rum. Dass da Verzeihen das Zauberwort ist und da muss ich immer gleich sagen – ich muss dies deutsche Wort aufpolieren – Verzeihen heißt nicht klein beigeben, und er hat es nicht so bös gemeint, sondern verzeihen heißt, ich entziehe dem anderen die Macht, mich zu verletzen.

Dann wird diese schlimme Erfahrung, die ich mal gemacht habe, so etwas wie eine körperlich schlimme Erfahrung. Und ja, ich weiß noch was weiß ich. Ich habe vielleicht vor 20 Jahren mal einen Fahrradunfall gehabt und habe da unterm Auto gelegen oder was. Es hat so weh getan, es hat so unvorstellbar weh getan, aber es hat heute keine Relevanz mehr für mich.

Und da zu wissen, es gibt so viele Sachen, die wir selbst bestimmen können, wo wir nicht Opfer sind, sondern wo wir unser Leben in der Hand haben und also dafür brauch ich Energie und ich werde ja so oft gefragt: „Meine Güte noch mal, wo nimmst du mit 73 diese Energie her?“ Ich kann das gar nicht so gut begründen. Aber eins ist da schon Ernährung und diese ganzen Themen. Aber auch ich brauche keine Energie mehr dafür, dass ich Sachen unter den Teppich kehren muss. Denn die kommen ja immer wieder hoch. Irgendwo kommen die und dann muss ich sie wieder irgendwo wegkippen und habe gelitten.

Den Schmerz habe ich wie so einen Widerhall in mir nochmal gespürt. Das brauche ich alles nicht mehr, sondern sich das angucken. Ja, es gehört jetzt zu meinem Leben dazu. Das ist so ein Schlüsselsatz für mich, wo ich durchatmen kann, wo ich wieder handlungsfähig werde, wenn ich das Ganze mal annehme, wie es ist.

Medicom: Vergebung wäre dann auch erst mal sich selber zu vergeben, dass man diese Energie so verschwendet hat – in Anführungsstrichen. Wenn Sie sagen, Energie aufbringen für das Wesentliche in meinem Leben: Ernährung, auf mich achten, Freunde treffen, das, was wirklich einen Wert hat.

Was wir im Kopf haben, dass Alter einsam macht. Vielleicht wären wir bei diesem Stichpunkt Einsamkeit. Sie hatten vorhin gesagt, vieles ist ja nur ein Gedanke, vielleicht nicht nur bei der jüngeren Generation, oh im Alter werde ich einsam sein und alleine und unfähig, sondern vielleicht auch in der älteren Generation, dass Einsamkeit ein Stressauslöser ist und auch ein Auslöser von Krankheiten. Können Sie vielleicht drei Sachen nennen, die Sie als wichtig ansehen?

Greta Silver: Unbedingt. Also ich wusste nicht, wie groß Einsamkeit bei uns in Deutschland ist, auch bei jungen Menschen. Und wenn die jetzt in einer anderen Stadt einen Job finden, oder dort studieren und dort erst mal wieder Fuß fassen, und Freunde kennenlernen wollen und so etwas. Also das ist auch für die schwierig. Corona hat auch nochmal viel deutlich gemacht an Einsamkeit, wo wir dann ja so ein bisschen da reingezwungen wurden und dann die Öffnung dann wieder zeigt, wie wichtig uns Beziehungen sind, dass es das ist, was gepflegt sein will, auch schon in jungen Jahren.

Und die bittere Wahrheit ist, es kommt keiner vorbei, der uns da rausholt. 

Und was kann ich alles dafür tun? Ja, ein Schlüssel raus aus Einsamkeit, ist einmal für mich ganz klar. Und die bittere Wahrheit ist, es kommt keiner vorbei, der uns da rausholt. Wir haben auch da selbst die Verantwortung. Und ich habe wirklich auch in den Büchern versucht, so ganz kleinteilig Beispiele zu nennen, denn manche haben ja schon eine gewisse Menschenfurcht.

Da einmal zu gucken, was wäre das Schlimmste, was mir passieren könnte, wenn ich, was weiß ich, die Nachbarin mal freundlicher grüße oder mal ein: “Mensch haben Sie einen schönen Tag“. Oder: “Sie sehen so aus, als ob Sie heute was Schönes vorhaben“. Einfach einen Satz mehr sagen als üblicherweise. Was könnte denn da Schlimmes passieren? Denn da sind wir so Angst gesteuert. Und da mag es die Angst kleiner machen, wenn ich mir mal das Schlimmste vorstelle, was denn passieren kann, dass die Frau sagt: „Ne, ich gehe jetzt einfach nur einkaufen.“ So. Und sie macht das vielleicht auch so ein bisschen grummelig. Dann hat sich das geklärt mit der Nachbarin. Das verändert mich aber nicht.

Also, das musste ich auch lernen. Wie gehe ich mit Ablehnung um, aber beim Einsamkeitsthema zu bleiben. Was kann ich machen? Ich kann Aktionen aus dem Umfeld nehmen.

Da ist eine schöne Ausstellung. Oder da in dem Museumsdorf findet etwas Schönes statt. Oder in meinem Stadtteil wird aufgerufen, da wird so ein Bachabschnitt gesäubert. Einmal im Jahr treffen sich alle möglichen Leute, die holen den Abfall da raus und da ist an einer, der das Sagen hat und einem sagt, was wichtig und gut ist und so.

Oder man organisiert etwas, was mehrere machen können und dann fragt man einfach mal die Nachbarin: „Da ist so eine tolle Ausstellung. Es gibt so Stadtteile hier bei uns, wo auch mal so Live-Musik Open-Air ist, also offen, wo man einfach hingehen kann, wo man fragt: „Mensch, hätten Sie Lust, da mitzukommen“. Oder generell mal davon spricht, dass man so etwas gerne mal macht. Und dann mal fragt: „Soll ich Ihnen mal Bescheid sagen? Hätten Sie auch mal Lust mitzukommen“, also dieses Unverfängliche. Was auch für mich nicht charmant wäre, ich finde eine Person in meinem Umfeld vielleicht ganz spannend, die jetzt nach Hause einzuladen, zu erkennen, oh ne, das war ja doch nichts, macht die Sache hinterher so ein bisschen komisch, aber das kann man umgehen.

Oder auch wenn der Freundeskreis so weggebröselt ist, dass man aber vielleicht noch zwei, drei Freundinnen hat und sagt: „Okay, wir machen mal Sachen, jeder bringt eine neue Person mit.“ Dann ist das unverbindlich. Da kann man auch mal Picknick gemeinsam machen. Ich kenne auch eine Veranstaltung, da wird immer zum Spaghetti-Essen eingeladen. Ich glaube, alle zwei Monate. Da gibt’s wohl einen Stamm. Und dann gibt’s immer neue, die dabei sind und jeder bringt was mit für das Essen. Spaghetti macht der Hausherr in dem Fall. Mancher bringt Wein mit. Einer bringt Oliven mit.

Und dann ist man auch nicht nur Teilnehmer, sondern ein Stück weit auch Gastgeber. Man kommt ganz anders miteinander ins Gerede, wenn man da in der Küche steht und seine Sachen auspackt. Also das so zu nutzen für neue Kontakte. Oder aber meinetwegen auch sagen: „Ah, ich bin manchmal im Tierheim und geh mit Hunden Gassi. Für mich ist das so angenehm und schön. Ich mag mir nicht selber einen Hund anschaffen, weil die Verantwortung ist mir zu groß. Aber das da kann ich machen. Hätten Sie Lust mal mitzukommen?“

Also diese kleinen unverbindlichen Sachen. Und ansonsten wirklich Sätze lernen. Denn unsere Beziehungen sind nicht nur unsere Partnerschaft, unsere Beziehung ist auch das wie, das mit der Kassiererin an der Supermarktkasse klappt oder so. Da sich ein Satz überlegen: „Mensch, vielen Dank, dass Sie den ganzen Stress locker durchhalten“, oder so etwas, verändert.

Freude wie Konfetti auf Menschen werfen. Dann ist mein Umfeld gut drauf und ich bewege mich nur in einem positiven Umfeld.

Oder der Nachbarin eben nicht nur wie wir in Hamburg sagen: „Moin!“. Also dieses kurze Rüberbellen. So, das ist ja schon ein ganzer Satz in Hamburg und dann mal zu sagen: „Ah, ich wünsche Ihnen einen tollen Tag.“ So ein paar Sätze, das verändert schon was in mir, dass ich da anders bin. Also, ich gipfel ja vielleicht in dem Satz: Freude wie Konfetti auf Menschen werfen. Dann ist mein Umfeld gut drauf und ich bewege mich nur in einem positiven Umfeld.

Komplimente machen! Also was weiß ich, wer vor mir in der Schlange steht. Ich finde da schon irgendwas, was spannend ist. Und dann kommt ja oft, das ist ja der nächste Punkt – passt aber nicht in die Einsamkeit – Komplimente annehmen zu können, musste ich auch lernen. Also: „Ne, ne, der war ganz preiswert. Und ja, eigentlich hätte ich gedacht, so fünf Zentimeter länger der Rock, das wäre doch noch schöner.“ Also, so fangen wir sofort an, statt einfach nur zu sagen: „Oh, danke, das freut mich sehr, dass Sie das so sehen.“

Aber jetzt erst mal selber das Kompliment jemand anderem machen und oder mehr Danke sagen, wenn man durch die Tür geht. Und auch in dieser Einsamkeit, die oft so schmerzhaft ist, schauen, was ist denn noch an meinem Tag schön, wofür ich abends dankbar sein kann. Gibt es in dieser Misere, die ich als so schmerzhaft empfinde – das kann auch etwas anderes als Einsamkeit sein – doch noch etwas, was in meinem Leben schön ist?

Also, ich bedanke mich abends, in meinem kuscheligen Bett über meinen Dach über meinem Kopf, über Gänseblümchen im Rasen. Für für alles bin ich dankbar und das macht was mit mir, also das wahrzunehmen. Ich möchte an gar nichts vorbeigehen, was schön ist, was ein Geschenk für mich ist oder so etwas. Da kann ich ganz viel für mich und mein Gefühl tun.

Medicom: Dankbarkeit ist auch ein sehr schönes Stichwort. Medicom ist auch dankbar, dass Sie Ihr nächstes spannendes Projekt mit uns starten.

Greta Silver: Ich bin so dankbar, dass ich jetzt bei Medicom sein darf, das ist der Hammer überhaupt, das passt ja so unglaublich irre, unglaublich. Denn wenn die Frage aufkommt, was ist denn Energie? Was ist das, was mein Energielieferant ist, dann bin ich sofort bei euch. Weil die Ernährung heute kann es in meinen Augen nicht mehr so bringen.

Ich versuche das zwar sehr, sehr viel und koche ja auch zweimal am Tag für mich alleine selbst, aber also da jetzt diese Bandbreite zu haben und was mich so begeistert, ist es eben, dass es die reine Form ist, dass ihr auf Werte achtet, dass ihr also eigentlich das, was ich mache, nur auf etwas anderen Gebiet macht. Wie kann man fit sein? Wie kann man die Vollversion von sich selber leben? Das muss ja eigentlich das Ziel eines jeden sein. Und da, das matcht so toll. Also, ich freue mich unglaublich, dass ich hier mit meinen Themen dabei sein darf bei euch. Denn das, was ihr macht, das ist so wichtig.

Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen schlimm an, aber ich glaube, manche Person schaut mehr darauf, was die Katze oder der Hund in seinem Futter hat, als bei den Sachen, die sie selber essen und lesen sich nicht das Kleingedruckte da hinten durch und da ein anderes Bewusstsein zu machen. Wir zahlen den Preis, wir zahlen den Preis, auch wenn es vielleicht nicht unbedingt sofort sichtbar ist. Aber wir haben Möglichkeiten, wir haben Möglichkeiten und ihr schafft die Möglichkeiten. Das finde ich toll.

Medicom: Ja, Danke schön. Sie haben natürlich vollkommen recht. Was sind wir uns wert? Wir können uns den ganzen Tag klein machen. Wir können aber natürlich auch sehen, was wir davon haben, wenn wir eine andere Einstellung zum Leben haben. Und die fängt halt bei uns an. Da gibt es mehr, was man für sich selbst tun kann und somit automatisch auch für den anderen. Darum passt das ja auch alles wunderbar mit uns. Wir haben auch viel vor.

Greta Silver: Oh ja, da passen diese beiden Themengebiete ebenso wunderbar zusammen, Handwerkskoffer zu haben für die Vollversion. Zu begreifen, dass jedes Leben so einmalig und kostbar ist, dass du da draußen es Dir wert bist, dass du so einmalig bist.

Ich weiß, ich kenne auch Harmoniebedürfnis und sowas alles. Dass wir uns ewig anpassen wollen. Aber nein, unsere Kostbarkeit liegt im Anderssein und dieses zu fördern und da die Vollversion zu leben, also wirklich, mein Slogan ist ja immer: Erwarte das Beste vom Leben. Es steht dir zu. Ja, diese Vollversion, so wie manche ihr Auto bestellen mit allen Extras, das zu leben, und das gelingt eben, wenn ich diese Energie in mir spüren kann. Und was sind meine Energielieferanten? Also, das ist Ernährung und jetzt mach ich mal anderes Fenster auf, wie energievoll steht man abends aus dem Sofa auf nach einem Fernsehabend. Alles, was in mich hinein kommt, hat Auswirkungen. Und da kritisch zu sein und da zu hinterfragen, will ich das? Tut mir das gut?

Also ich laufe ja auch durch die Gegend und frage meine Gedanken und tun mir die gut, was ich da gerade denke? Und wenn ich da feststelle, nein, das tut mir nicht gut, kommt das weg. Es kommt weg. Also ich habe auch einen ganz berührenden und bezaubernden TED-Talk mal gesehen von einer Frau, die Resilienzforscherin war und ein tragisches Schicksal hatte, weil sie ihre Tochter verloren hatte durch einen Autounfall und dann für sich lernen musste, da rauszukommen und auch sich immer die Frage stellte: „Tut es mir gut, wenn ich mir jetzt diese Fotos angucke? Oder ist das etwas für später?“

Das ist auch bei Liebeskummer. Tut es mir gut, wenn ich mir jetzt diese alten Briefe von ihm angucke, tut es mir gut, wenn ich da in der Vergangenheit mit meinen Gedanken bin. Ja, es war doch aber so schön. Tut es mir gut? Tut es mir gut, was ich esse? Tut es mir gut, mich vielleicht auch beruflich so unter Stress zu setzen oder mich so auszupowern, weil ich etwas beweisen will, weil ich meinen eigenen Perfektionismus was beweisen muss oder so, tut es mir gut? Das ist eine wunderbare Schlüsselfrage. Die wir in der ganzen Bandbreite gut gebrauchen können.

Medicom: Das Jetzt und Hier leben. Die Vergangenheit, die loszulassen und sich gar nicht so viel um die Zukunft vielleicht sorgen. Aber trotzdem wage ich jetzt zu guter Letzt, die letzte Frage, ob Sie uns verraten, was die Greta von heute ihrem 30-Jährigen Selbst rückblickend sagen würde?

Greta Silver: Also, ich habe da zwei Seelen in meiner Brust. Entschuldigen Sie, aber was soll ich dieser jungen Greta sagen, was anders laufen sollte in meinem Leben? Denn so wie ich es gelebt habe, hat es mich zu der Frau gemacht, die ich heute bin. Aber mit der komme ich gut klar.

Trotz allem würde ich bestimmt dieser jungen Greta sagen, liebe dein Leben. Habe Vertrauen zum Leben, habe Vertrauen zu dem, wie du bist, steh dazu. Und erkenne die Kostbarkeit eines jeden Lebens, deines Lebens und jeder Phase des Lebens.

Ich stehe ja dafür, wie toll es ist, alt zu sein. Aber es ist mir unglaublich wichtig, dass jede Lebensphase kostbar ist und das Alter auch. Das darf nicht so aus der Balance rutschen, dass ich denke, ne, also das Leben vorher, das es war nur so Kuddelmuddel und im Alter wird es toll. Jede Lebensphase ist so, so wichtig und das würde ich auch dieser jungen Greta sagen wollen. Und dieses Annehmen von dem, was ist, wie Sie es auch gerade nannten, in diesem Jetzt sein.

Und es ist noch nicht die Vollversion. Vielleicht. Aber was kannst du tun, um diese Vollversion zu leben? Also eigentlich sind das so die Sachen, die ich generell jungen Menschen mitgeben möchte. Du bist so wie du bist richtig. Es gibt da kein Falsch. Und schau, wie du da deine Vollversion leben kannst.

Medicom: So schön! Vielen, vielen Dank Greta Silver für diese schönen Schlussworte. Wir lesen und sehen bald mehr von ihnen bei Medicom monatlich im Blog und im Magazin. Wir freuen uns sehr darauf. Mal gucken, was wir sonst noch alles zusammen auf die Beine bekommen.

Erwarte das Beste vom Leben. Es steht dir zu.

Greta Silver: Ich freue mich unglaublich darauf, weil wir können gar nicht anders als Bälle spielen. Und da sind so viel in der Luft, die gleich sind und die bespielt werden wollen. Und da die Anlaufstelle zu werden, für mehr Leichtigkeit im Leben und wie cool es ist, alt zu sein. Dass wir so machtvoll sind, selber etwas in unserem Leben zu verändern und zu bewegen. Also ich glaube, das wird uns so gut gelingen, das noch deutlicher zu machen auf der Webseite und somit ja in die Welt zu posaunen … Erwarte das Beste vom Leben. Es steht dir zu.


Sie wollen mehr über Greta Silver wissen?

Webseite https://www.greta-silver.de/

Mentoring: https://www.greta-silver.de/mentoring

YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/user/zujungfuersAlter

Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/glücklich-sein-ist-eine-entscheidung-der-greta-silver/id1459863365

Spotify: https://open.spotify.com/show/1vfXvo5gOIybOvhJG5RGYY?si=altugKgTQamepVmbdEotBw

Instagram: https://www.instagram.com/silver.greta/

LinkedIn: https://de.linkedin.com/in/greta-silver-3bb8a518a

Facebook: https://www.facebook.com/GretaSilver/

SPIEGEL-Bestseller: https://www.greta-silver.de/bestsellerautorin

• Möchten Sie regelmäßig über das Thema Gesundheit und Gesundheitsprodukte informiert werden? Hier können Sie sich gratis zum Medicom-Newsletter eintragen und einmalig einen 10%-Rabatt erhalten.