2 Personen, die Thai Chi üben
Trotz Schmerzen soll sich Bewegung bei Erkrankungen wie Morbus Bechterew (rheumatische Erkrankung) positiv auswirken. Dazu gehören Gesundheitssportarten wie die altchinesische Kampfkunst Thai Chi. Sie fördert die Beweglichkeit und kann schmerzlindernd sein.

Neben den häufig für Gelenkschmerzen bekannten Ursachen, wie Arthrose und rheumatoider Arthritis, gibt es weitere Erkrankungen, die der Laie symptomatisch oft nicht einsortieren kann. Dazu gehört Morbus Bechterew, eine chronisch-entzündliche Erkrankung des rheumatischen Formenkreises. Hier die wichtigsten Informationen im Überblick.


Was ist Morbus Bechterew?
Wen betrifft Morbus Bechterew?
Welche Symptome zeigt Morbus Bechterew?
Wie behandelt man Morbus Bechterew?
Was kann ich selbst beitragen?
Welche Ernährung ist zu empfehlen?
Fazit


Was ist Morbus Bechterew?

Der Morbus Bechterew, auch Spondylitis ankylosans genannt, zählt zu den häufigsten rheumatischen Erkrankungen. Im Kern handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Wirbelsäulenerkrankung, die auch das Kreuz-Darmbein Gelenk (Iliosakralgelenk) befällt. Im schlimmsten Fall kann die Erkrankung zu einer völligen Versteifung der Wirbelsäule führen, der sogenannten „Bambuswirbelsäule“.

Neben der Wirbelsäule und den Iliosakralgelenken können auch weitere Gelenke, Sehnen sowie innere Organe von der Erkrankung betroffen sein. Der Morbus Bechterew ist eine Autoimmunerkrankung, das heißt durch eine Fehlregulation des Immunsystems wird gesundes Gewebe angegriffen und zerstört. Die Erkrankung ist bis heute nicht heilbar, allerdings kann eine frühzeitige Behandlung und konsequente Therapie den Verlauf in vielen Fällen sehr positiv beeinflussen.

Wen betrifft Morbus Bechterew?

Die Erkrankung wurde nach dem russischen Neurologen „Wladimir Bechterew“ (1857-1927) erstmals benannt. Allerdings soll es die Erkrankung bereits im alten Ägypten gegeben haben. So wurde bei archäologischen Funden, ägyptischer Pharaonen Wirbelsäulenveränderungen festgestellt, die auf die Erkrankung hindeuten.

Früher ging man davon aus, dass die Erkrankung überwiegend Männer betrifft. Durch neuere Erhebungen und modernere Untersuchungsverfahren bestätigt sich diese Annahme heute jedoch nicht mehr und man geht von einem ähnlichen Verhältnis zwischen Männern und Frauen aus. In Deutschland sind ca. 100-150 Tausend Fälle diagnostiziert. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen, da leichtere Verläufe oft nicht erkannt werden.

Aktuellen Studien zufolge hängt es jedoch stark vom Geschlecht ab, wie sich der Morbus Bechterew manifestiert. Bei Frauen überwiegt beispielsweise der entzündliche Anteil der Erkrankung. Das kann dazu führen, dass es lange Zeit zu falschen Beurteilungen kommt. Da bei Frauen auch häufiger Sehnenansätze und andere Gelenke betroffen sind, kann das Erscheinungsbild auch einer rheumatoiden Arthritis oder einer Fibromyalgie (umgangssprachlich auch „Weichteilrheuma“) ähneln.

Welche Symptome zeigt Morbus Bechterew?

Ein großes Problem einer frühzeitigen Diagnose sind die, oft sehr unterschiedlichen und breit gefächerten Symptome der Erkrankung. Neben klassischen Hauptsymptomen, die sich gerade im Frühstadium oft nur schwer von anderen Gelenk-Erkrankungen abgrenzen lassen, gibt es auch einige unspezifische Begleitsymptome, bei denen man auch an Morbus Bechterew denken sollte.

Zu den Hauptsymptomen der Erkrankung zählen:

  • Die Morgensteifigkeit, mit klassischen Anlaufschmerz, der meist nach ca. 30 min wieder verschwindet
  • Tiefsitzende Rückenschmerzen, die vor allem nachts auftreten
  • Rückenschmerzen, die vor allem den Bereich der unteren Lendenwirbelsäule und den Gesäßbereich betreffen. Diese können bis in die Oberschenkel ausstrahlen.
  • Schmerzen, die durch Bewegung meist besser werden
  • Schmerzen, die sich durch Erschütterung wie zum Beispiel Husten oder Hüpfen auf harten Untergrund verschlimmern
  • Die Schmerzen halten länger als drei Monate an (Hinweis auf eine chronisch-entzündliche Erkrankung)
  • Systematische Entzündungen, das heißt auch andere Gelenke, Sehnen und Organe machen Beschwerden, die allerdings häufig nicht in Zusammenhang gebracht werden.

Unspezifische Symptome und Begleiterscheinungen werden im Folgenden genannt und sollten zusammen mit tiefsitzenden Rückenschmerzen auch immer an einen Morbus Bechterew denken lassen:

  • Erschöpfung, Müdigkeit, erhöhte Temperatur, Gewichtsverlust, erhöhte Entzündungswerte (als Folge der Autoimmunreaktion)
  • Einseitige Entzündung in Hüft-, Knie- oder Sprunggelenken (bei der rheumatoiden Arthritis ist eine beidseitige Manifestation typisch).
  • Entzündung von Sehnenansätzen, zum Beispiel Achillessehne
  • Augenentzündung (Uveitis)
  • Wirbelkörperfrakturen
  • Entzündliche Darmerkrankungen (Zusammenhang bei einem von zehn Betroffenen)
  • Selten werden auch andere Organe wie Herz oder Niere befallen

Bei Verdacht spielt unter anderem auch das Vorhandensein des Gens HLA-B27 eine wichtige Rolle. Bechterew-Patienten weisen dieses Gen überproportional häufig auf.

Wie behandelt man Morbus Bechterew?

Der Morbus Bechterew ist nicht heilbar, aber meist gut konservativ behandelbar. Generell gilt: Dank hochmoderner bildgebender Verfahren wird Morbus Bechterew heute häufig früher erkannt, sodass schwere Verläufe häufiger vermieden werden. Durch eine frühzeitige Diagnose kann besser Einfluss auf das Fortschreiten, dieser, die Lebensqualität oft stark beeinträchtigenden Erkrankung, genommen werden.

Das Hauptziel der Behandlung ist, neben der Schmerzlinderung, vor allem die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu erhalten. Die Therapie besteht daher vor allem aus entzündungshemmenden Medikamenten und Bewegungstherapie wie Physiotherapie. Nur selten sind operative Eingriffe nötig.

Medikamentös kommen vor allem entzündungshemmende Medikamente wie NSAR (Nichtsteroidale-Antirheumatika) zum Einsatz. Auch Cortison-Präparate können indiziert sein. Bei schwereren Verläufen kommen auch langfristige Basismedikamente wie MTX (Methotrexat) zum Einsatz, ein Medikament, das unter anderem gegen chronisch-entzündliche Erkrankungen indiziert ist. Allerdings haben Medikamente wie diese auch häufig Nebenwirkungen, teils auch schwerwiegende, und sollten immer genau bezüglich Dosierung und Notwendigkeit mit einem Facharzt (Rheumatologe) besprochen und abgewogen werden.

Neben der medikamentösen Therapie und klassischen Physiotherapie (Bewegungstherapie), wird häufig auch Physikalische Therapie verschrieben. Das sind z.B. wärmende Bäder, Elektrotherapie und Massagen sowie Fango- und Moorpackungen oder regelmäßige Besuche in Thermalbädern. In Phasen akuter Schübe können auch Kältebehandlungen Sinn machen. Operationen spielen glücklicherweise selten eine Rolle bei der Behandlung.

Bei fortgeschrittenen Erkrankungsstadien mit starker Verknöcherung und einhergehender Versteifung der Wirbelsäule oder bei Zerstörung eines Gelenks, können jedoch auch operative Eingriffe notwendig werden mit dem Ziel die Lebensqualität des Betroffenen zu verbessern.

Was kann ich selbst beitragen?

Wann immer möglich, sollte die Beweglichkeit durch gelenkschonende Sportarten wie zum Beispiel Schwimmen oder Nordic Walking erhalten werden. Auch tägliche Gymnastik ist ein Muss. Dafür sollte man sich gezielt Übungen von einem erfahrenen Physiotherapeuten zeigen lassen, die sich je nach Ausprägung der Erkrankung eignen.

Auch Atemtherapie kann sinnvoll sein, wenn es durch eine Versteifung der Brustwirbelsäule auch zu einer Einschränkung der Beweglichkeit des Brustkorbes kommt. Entspannungstherapien wie Qi Gong, Yoga oder Thai Chi können sich ebenso positiv auswirken. Wenn für all das mal keine Zeit ist, kann auch ein Spaziergang am Ende des Tages, die fehlende Bewegung im Notfall, zumindest teilweise, ersetzen.

Welche Ernährung ist zu empfehlen?

Generell gibt es zum Morbus Bechterew nicht die gleichen bekannten positiven Einflüsse durch die Ernährung, wie diese zum Beispiel bei der rheumatoiden Arthritis wissenschaftlich teils gut belegt sind. Dies mag aber auch daran liegen, dass es weniger Untersuchungen zu diesem Erkrankungsbild bezüglich der Ernährung gibt.

Da es sich beim Morbus Bechterew nicht um eine mechanische Erkrankung, sondern um ein chronisch-entzündliches Geschehen handelt, kann man daraus aber durchaus ableiten, dass sich eine anti-inflammatorische Ernährung, auf Basis von viel Obst und Gemüse (Antioxidantien), gutem Eiweiß zum Beispiel aus pflanzlicher Quelle (Nüsse, Hülsenfrüchte, Hanfproteinpulver) sowie hochwertigen essentiellen Fettsäuren wie der Gamma-Linolensäure oder hochwertiger Omega-3-Fettsäuren positiv auswirken kann.

Sowohl starke Antioxidantien bzw. Radikalfänger, wie bestimmte Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Spurenelemente (zum Beispiel Vitamin C, Vitamin E oder Selen) wie auch essentielle Fettsäuren haben Einfluss auf eine antientzündliche Stoffwechsellage im Körper. Ein hoher Anteil an Antioxidantien in der Ernährung kann zellschädigende, oxidative Prozesse (radikale Sauerstoffverbindungen), die Entzündungen puschen, leichter neutralisieren.

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Auch pflanzliche Enzyme wie zum Beispiel Bromelain (aus der Ananas) haben entzündungshemmende Eigenschaften. Bestimmte pflanzliche Arzneimittel, wie die afrikanische Teufelskralle oder der hier nur in Nahrungsergänzungsmitteln verfügbare Weihrauch oder Kurkuma haben zumindest in der indischen oder traditionell chinesischen Medizin bei entzündlichen Erkrankungen, ihre dort anerkannte Berechtigung.

Fazit

Der Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis. Bei frühzeitiger Erkennung der Erkrankung, kann man sie in der Regel gut behandeln, aber sie ist nicht heilbar. Unter anderem scheint eine genetische Disposition bei der Entstehung der Erkrankung eine gewisse Rolle zu spielen.

Häufig wird die Diagnose erschwert, weil der Morbus Bechterew ein mannigfaltiges Erscheinungsbild hat, das zunächst oft mit anderen Erkrankungen verwechselt wird. Chronische Schmerzen der unteren Lendenwirbelsäule und der Iliosakralgelenke, die über drei Monate bestehen und mit anderen unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit und Leistungsschwäche einhergehen, sollten immer auch an einen Morbus Bechterew denken lassen.

Neben antientzündlich wirksamen Arzneimitteln, Physiotherapie und physikalischen Anwendungen muss auf eine regelmäßige Bewegung achten, um körperlichen Einschränkungen möglichst langfristig vorzubeugen. Besonders eignen sich hierfür gelenkschonende Sportarten.

Eine vitaminreiche, antioxidative, pflanzliche Ernährung und essentielle Fettsäuren wie zum Beispiel die Gammalinolensäure (unter anderem in Nachtkerzen- oder Borretschöl) oder die Omega-3-Fettsäuren (zum Beispiel in fettem Seefisch) sorgen für eine gesunde Stoffwechsellage, durch die Entzündungsprozesse leichter abgeblockt werden.

Auch bestimmte pflanzliche Arzneimittel können versuchsweise ergänzend, nach Rücksprache mit einem Arzt, eingesetzt werden. Zu betonen ist, dass es sich beim Morbus Bechterew um eine schwerwiegende Autoimmunerkrankung handelt, die unbehandelt zu einer maximalen Einschränkung der Lebensqualität führen kann. Daher sind die genannten Maßnahmen nur als Ergänzung und niemals ein Ersatz. Eine fachkundige Untersuchung und Beratung durch einen Rheumatologen ist bei Verdacht auf die Erkrankung genauso unverzichtbar wie die frühzeitige schulmedizinische Behandlung bei gesicherter Diagnose.


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